Mittwoch, 13. Mai 2026

Gemeinderatssitzung in Bodenwöhr

Der neue Gemeinderat für die kommenden Legislaturperiode zusammen mit Bauamtsleiter Harald Haag (hinten 2.v.r.). Fotos: Randolf Alesch

Das wichtigste Ergebnis der rund zwei Stunden andauernden konstituierenden öffentlichen Gemeinderatssitzung gleich vorne weg: Mit der Mehrheit von neun CSU- und SPD-Stimmen wurden Stefanie Reiger (CSU) zur 2. Bürgermeisterin und Stefan Rauch (SPD) zum 3. Bürgermeister gewählt. Verena Obermeier (FW) und Fabian Schmid (BLB) erhielten je vier Stimmen. Die 1. Sitzung des neuen Gemeinderates im Foyer der Hammerseehalle am vergangenen Dienstag war ausschließlich geprägt durch formelle Regelungen, Verpflichtungen und Wahlen im Rahmen des Vollzuges der Gemeindeordnung (GO) und des Kommunalen Wahlbeamtengesetzes (KWBG). Alle Gemeinderäte waren anwesend. Dass das Thema die Bürger interessiert, zeigte die große Anzahl der anwesenden Zuhörer, es blieben nur wenige Stühle leer. Auffallend war sofort die neue Sitzordnung. Im Gegensatz zur vergangenen Legislaturperiode sitzt die CSU-Fraktion aus Sicht des Zuhörers nun rechts vom Bürgermeister, dann folgen die beiden SPD-Räte. FW und BLB schließen sich in dieser Reihenfolge auf der linken Seite an. Die Sitzordnung spiegelt auch die geplante Zusammenarbeit der vier Fraktionen in der kommenden Periode wider, wie der weitere Verlauf der Sitzung noch zeigen sollte. 

Neue Gemeinderäte wurden vereidigt

Zunächst wurden die neu gewählten Gemeinderäte Sebastian Wild (CSU), Florian Vandernberg (FW) und Fabian Schmid (BLB) durch Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) vereidigt. Der Applaus der übrigen Räte war ihnen gewiss. Anschließend fasste das Gremium einstimmig den Beschluss, wieder zwei stellvertretende Bürgermeister zu wählen. Als nächstes wurde der Erlass einer Satzung zur Regelung von Fragen des örtlichen Gemeindeverfassungsrechts beschlossen. In dieser Satzung werden u.a. die Höhe des Sitzungsgeldes (40 Euro), die zu bildenden Haupt- und Rechnungsprüfungsausschüsse, deren Zusammensetzung sowie die Rechtsstellung und die Dienstaufwandsentschädigungen des ersten und der weiteren Bürgermeister geregelt. Mehr Diskussionsbedarf gab es beim Erlass der Geschäftsordnung, in der der Geschäftsgang des Gemeinderates und seiner Ausschüsse geregelt ist. Insbesondere die Höhe der Wertgrenze, bis zu der der Hauptausschuss selbst Rechtsgeschäfte abschließen darf (300.000 Euro), wurde von Florian Vandenberg, Christian Lutter (FW) und Alois Feldmeier (BLB) kritisiert. Stefan Rauch und Walter Spirk (CSU) erachteten es als unproblematisch, da es so vom Gemeindetag empfohlen wurde und die Praxis zeigte, dass mit den bisherigen Sätzen (150.000 Euro) schwer zu arbeiten war. Mit der Mehrheit von CSU und SPD wurde die Geschäftsordnung mit 9 : 8 Stimmen beschlossen. 

Florian Vandenberg, Fabian Schmid und Sebastian Wild wurde von Bürgermeister Hoffmann (v.l.) als neue Gemeinderäte vereidigt. Auf dem Foto ist die neue Sitzordnung, CSU rechts, dann SPD, FW und BLB folgend, zu erkennen.

Aufwandsentschädigungen für Bürgermeister festgelegt

Formsache war dagegen die einstimmige Festlegung der Höhe der Dienstaufwandsentschädigung für den 1. Bürgermeisters, die einstimmig von bisher 499,12 Euro auf 500 Euro aufgerundet wurde. Da Hoffmann wegen persönlicher Beteiligung diesen Tagesordnungspunkt nicht selbst leiten durfte, führte ihn der älteste Gemeinderat Walter Spirk herbei. Ebenso wurde die monatliche Entschädigung für die beiden stellvertretenden Bürgermeister einstimmig auf jeweils 250 Euro festgesetzt. „Die Erfahrung habe gezeigt, dass der Aufwand für beide stellvertretenden Bürgermeister in etwa gleich sei“, so Hoffmann als Begründung für die Gleichschaltung. In der vorherigen Periode betrug die Entschädigung noch 252,94 Euro für den 2. Bürgermeister und 131,97 Euro für den 3. Bürgermeister.

Wahl der stellvertretenden Bürgermeister hat Vorgeschichte

Die Wahl der stellvertretenden Bürgermeister wurde seit den Kommunalwahlen infolge mehrerer Vorfälle lebhaft und kontrovers diskutiert. Unmittelbar nach der Wahl, die Hoffmann mit 62% gegen Fabian Schmid mit 38% gewann, äußerte letzterer gegenüber der Presse, dass er 2. Bürgermeister werden wolle, was Hoffmann im gleichen Pressebericht ablehnte, da die BLB einen unfairen Wahlkampf betrieben hätte, seit Jahren eine Protestpartei sei und Halbwahrheiten verbreite. Zudem wurde Schmid bei der Nominierungsversammlung der FW, deren Vorsitzender er bis dahin war und für die er noch ein Jahr zuvor für den Bundestag kandidierte, nicht als Bürgermeisterkandidat aufgestellt. Folge war, dass Schmid zur BLB wechselte, dort als Bürgermeisterkandidat antrat und für viele ein doch recht passables Ergebnis einfuhr. Außerdem trat Schmids Nachfolgerin als FW-Vorsitzende, Verena Obermeier, bei den Kommunalwahlen überraschend nicht als Bürgermeisterkandidatin an, obwohl sie dies zwei Jahre zuvor, kurz nachdem sie für Tobias Grün in den Gemeinderat nachrückte, noch groß in der Presse ankündigte.

Fragen vor der Wahl der Stellvertretender und ein Diktator

Wie würde sich dieses kontroverse Verhalten nun auf die Wahl der stellvertretenden Bürgermeister auswirken? Können die Freien Wähler für Schmid als Stellvertreter stimmen, obwohl sie ihn vor fünf Monaten als Bürgermeisterkandidat ablehnten? Mit wem arbeitet die CSU zusammen? Wird Obermeier für den Posten eines Stellvertreters kandidieren, obwohl sie vor fünf Monaten aus beruflichen Gründen nicht als Bürgermeisterkandidat antrat? Dem Ganzen die Krone setzte dann vor fünf Tagen noch ein Eintrag im Ratsinformationssystem der Gemeinde (RIS) auf, bei dem unter dem Reiter „Funktionen“ bereits Stefan Rauch als 2 Bürgermeister und Stefanie Reiger als 3. Bürgermeisterin aufgeführt waren. „Wird die Gemeinde Bodenwöhr von einem Diktator geführt?“ fragte BLB-Vorstandschaftsmitglied Frank Digele dazu empört in Facebook. Von Christian Lutter auf diesen Fauxpas in der Sitzung angesprochen, meinte Hoffmann lapidar: „Ein Verwaltungsfehler, schade, dass man da so eine Geschichte daraus machen muss“.

Reiger und Rauch werden Stellvertreter Hoffmanns

Kommen wir nun aber zu den Wahlen, bei denen alle noch offenen Fragen beantwortet wurden. Von Andreas Seitz (CSU) und Stefan Rauch wurde Stefanie Reiger, Fabian Schmid von Feldmeier und Verena Obermeier von Lutter für das Amt des 2. Bürgermeisters vorgeschlagen. Reiger erhielt neun Stimmen von der CSU und der SPD, Schmid und Obermeier je vier von ihren Fraktionen. Ähnliches Bild bei der Wahl des 3. Bürgermeisters: Michael Mulzer (SPD) und Seitz schlugen Stefan Rauch vor, Feldmeier wieder Fabian Schmid und Lutter diesmal Florian Vandenberg. Ergebnis: Rauch erhielt neun Stimmen, Vandenberg und Schmid je vier. Nach der Vereidigung der beiden Stellvertreter wurden Georg Hoffmann, Stefanie Reiger, Verena Obermeier, Stefan Fritsch (FW), Alois Feldmeier und Fabian Schmid einstimmig in den Rechnungsprüfungsausschuss gewählt. Mit den Stimmen von CSU und SPD wurde Rauch zum Vorsitzenden bestimmt. Für den Hauptausschuss wurden ebenfalls einstimmig Andreas Seitz, Walter Spirk, Georg Hoffmann, Christian Lutter, Florian Vandenberg, Michael Mulzer, Kurt Pöll (BLB) und Fabian Schmid auserwählt.

Wasserleitung zum TV-Heim kommt in den Bürgersteig

Als Verbandsräte für den Zweckverband zur Abwasserbeseitigung im Sulzbachtal wurden Sebastian Wild (CSU) und Michael Mulzer mit den Stimmen der CSU und der SPD gewählt. Bürgermeister Hoffmann ist kraft seines Amtes Mitglied der Verbandsversammlung. Außerdem wurde einstimmig der Leiter des gemeindlichen Ordnungsamtes, Verwaltungsoberinspektor Werner Schneeberger, als „gekorenes“ Verbandsmitglied des Zweckverbandes Kommunal Verkehrssicherheit Oberpfalz ausgewählt. Als vorletzter Tagesordnungspunkt wurde gegen die Stimme von Kurt Pöll das Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 30.04.2026 genehmigt. Last but not least teilte Hoffmann unter dem Punkt Informationen noch mit, dass die gemeindlichen Baumaßnahmen „Alter Bahnhof“, „Fußgängerampel Neunburger Straße“ und „Sanierung Wasserleitung in der Sudentenstraße“ im Zeitplan lägen. Die geplante neue Wasserleitung zum TV-Heim werden man wohl nicht in der Schulstraße, sondern im geplanten gepflasterten Bürgersteig verlegen. 

Altbürgermeister Albert Bauer und Bürgermeister Georg Hoffmann gratulierten Stefanie Reiger und Stefan Rauch zur Wahl als stellvertretende Bürgermeister.
Eine große Anzahl von Zuhörern verfolgte die konstituierende Sitzung des Gemeinderates, vor allem die Wahl der stellvertretenden Bürgermeister, es blieben nur wenige Stühle leer.
Facebook
LinkedIn
Email
Print