
Fotos: Jakob Scharf
Das Oberpfälzer Künstlerhaus – die Kebbelvilla in Schwandorf- hat nach einer Umbauphase mit einer bemerkenswerten Ausstellung wieder ihre Pforten geöffnet. Der Andrang bei der Vernissage von „Neiin! Boris Lurie und NOart“ war entsprechend groß.
Oberbürgermeister Andreas Feller, der auch Jakob Scharf bei seinem letzten offiziellen Auftritt als stellvertretender Landrat begrüßte, zeigte kurz die einzelnen Baumaßnahmen seit Juli 2025 auf, wobei ab sofort vor allem eine Barrierefreiheit gewährleistet ist. Jürgen Dehm, der Leiter des Künstlerhauses, nannte die Kebbelvilla einen „Platz für alle“ mit herausragenden Positionen regionaler und internationaler Kunst. Er verwies auch auf die derzeitigen Stipendiaten Radka Bodzewicz und Martin Mrkva, die seit Anfang April zu Gast sind in Schwandorf und Einblick in ihre neuesten Arbeiten geben.

Stephanie Stebich, Direktorin der Boris Lurie Art Foundation und angesehene Museumsexpertin, gab dann eine ausführliche Einführung und Leben und Werk von Boris Luriew. No!art ist eine avantgardistische Anti- Kunst-Bewegung, die 1959 in New York City begann und gegen jede Kommerzialisierung war und ist. Ihr Mitbegründer war Boris Lurie, der 1924 in Leningrad geboren wurde und 2008 in New York starb. 1941 wurde die Familie im Ghetto von Riga interniert. Seine Mutter, seine Großmutter, seine Schwester und seine Jugendliebe wurden im selben Jahr bei einem Massaker von der SS ermordet. Zusammen mit seinem Vater überlebte Boris die Zwangsarbeit und wurde 1945 vom amerikanischen Soldaten aus dem Außenlager Magdeburg-Polten befreit. Er emigrierte nach New York City und bewunderte sich selbst als „privilegierten Überlebenden“ und sah sich nie in der Rolle des Opfers. Hier verarbeitete er seine Erfahrungen von Verfolgung, Internierung und Lagerhaft künstlerisch. Trotz der schrecklichen Erlebnisse stand er nie grundsätzlich Deutschland ablehnend gegenüber, nannte Deutsch seine “zweite Muttersprache“ und zog sogar in Erwähnung, nach Berlin umzusiedeln. Der Widerstand gegen die Kommerzialisierung von Kunst zeigte sich bei ihm konsequent in seiner Weigerung, seine Werke zu verkaufen.
Luriev entwickelte eine kompromisslose Bildsprache, in der sich Collage, Malerei, Fotografie und Assemblage verbinden. Mit der Gegenüberstellung von Motiven des Holocaust mit den dunklen Seiten der Konsumkultur entstanden Werke von eindringlicher politischer und sozialer Provokation.
Die Ausstellung, die bis zum 7. Juni in Schwandorf zu sehen ist, versammelt Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden. Erstmals öffentlich gezeigt werden in Schwandorf vier undatierte Arbeiten des Künstlers, in denen die deutsche Antwort „NEIN“ im Mittelpunkt steht.









