
Die Spitalstiftung zählt weltweit zu den ältesten Sozialeinrichtungen. Foto: Hans-Peter Weiß

Am Brückenkopf der Steinernen Brücke erstreckte sich der Gebäudekomplex des Spitals. Foto: hpw
Es ist ein Regensburger Kleinod: In exponierter Lage am Stadtamhofer Donauufer befindet sich das Bürgerspital St. Katharina. Im Jahr 1226 wurde die Einrichtung von Bischof Konrad IV. am Fuß der Steinernen Brücke gegründet und ist somit älter ist als der Regensburger Dom. Es war über Jahrhunderte hinweg Anlaufstelle für alte, kranke und hilfesuchende Menschen und „gilt heute gilt das weltweit als eine der ältesten Sozialeinrichtungen“. Derzeit bietet das moderne Spitalpflegeheim rund 70 Bewohnerinnen und Bewohnern ein Zuhause.
Wie sich die Alten- und Krankenpflege im Verlauf von acht Jahrhunderten verändert haben, erfuhren die Mitglieder der Akademie Ostbayern-Böhmen (AOB) bei einer Führung durch das St. Katharinenspital in Regensburg. Anlässlich des Jahresthemas „Pflege, Sorge und Teilhabe – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ hatte AOB-Programmkoordinator Hans Fischer den Besuch in der Domstadt organisiert. Akademievorsitzender Josef Schönhammer begrüßte die zahlreichen Interessierten am Katharinenbrunnen inmitten des weitläufigen Gebäudekomplexes. Die rund zweistündige Führung wurde von Martin Reich und Daniel Goedeke geleitet. Erste Station war die Katharinenkirche aus dem 14. Jahrhundert. Bereits im 13. Jahrhundert entstand hier eine der größten Spitalanlagen Mitteleuropas. Heute gilt der gesamte Gebäudekomplex als nationales Kulturgut. Zunächst fanden hier Pilger Unterkunft, später wurden auch alte und kranke Menschen versorgt. „Seit 1226 steht ein sozial-karitativer Stiftungsauftrag im Mittelpunkt“, betonte Martin Reich. Das Spital wurde als weitgehend selbstständige Einrichtung mit großem Schlafsaal, Bäckerei, Metzgerei und Brauerei aufgebaut. Bereits im 13. Jahrhundert wurden die Verwaltungsstrukturen festgelegt, die in ihren Grundzügen bis heute Bestand haben.

Die zweite Spitalkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Foto: Hans-Peter Weiß

Krankenpflege und Armenfürsorge standen immer Mittelpunkt des St. Katharinenspitals. Foto: hpw
Maßgeblich unterstützt wurde das Großprojekt des Mittelalters von wohlhabenden Regensburger Kaufleuten. Ein besonders bedeutender Förderer war der vermögende Kaufmann Heinrich Zant, der auch ein Siechen- und Leprosenhauses vor den Toren der Stadt gründete. Zeitweise wurden im Spital bis zu 400 Bedürftige und Pilger gleichzeitig von einer Laienbruderschaft betreut.
„S’Spital“ feiert in diesem Jahr sein 800-jähriges Bestehen. Mit rund 100 Mitarbeitenden versteht sich die Stiftung als Gemeinschaft auf sechs Säulen: dem Spitalpflegeheim, der Spitalbrauerei, der Spitalkirche, der Land-, Grund- und Forstwirtschaft, dem Spitalarchiv sowie dem Spitalgarten. Gemeinsam bilden diese Bereiche einen einzigartigen Mikrokosmos, in dem unterschiedliche Aufgabenfelder eng miteinander verzahnt sind, wobei das Pflegeheim mit seinen 70 Heimplätzen das Herzstück der Stiftung bildet.
Wie die Einrichtung im Mittelalter ausgesehen haben könnte, veranschaulichte Martin Reich in der Cafeteria des Seniorenpflegeheims anhand historischer Darstellungen aus dem St.-Janis-Spital im belgischen Brügge. Krankenhäuser im heutigen Sinn existierten im Mittelalter nicht. Die medizinische Versorgung wohlhabender Bevölkerungsschichten erfolgte bis ins 19. Jahrhundert überwiegend im häuslichen Umfeld. Menschen ohne finanzielle Mittel waren im Krankheitsfall hingegen auf Armenhospitäler angewiesen. Um das Jahr 1230 waren im Spital zwölf Brüder, sieben Schwestern, zwei Priester und zwei Priesterschüler tätig. Nach der Auflösung der Bruderschaft übernahm bis zur Reformation ein Schwesternkonvent die Pflege der Alten und Kranken. Von 1860 bis 1980 kümmerten sich die Barmherzigen Schwestern vom Orden des heiligen Vinzenz von Paul um die Versorgung der Pfründner im Spital.

Die Spitalbrauerei braute eigens ein Jubiläumsbier ein. Foto: Hans-Peter Weiß

In der Cafeteria des Pflegeheims wurde „s800er“ verkostet. Foto: Hans-Peter Weiß
Zum historischen Gebäudeensemble in Stadtamhof gehört auch die weithin bekannte Spitalbrauerei. Hier befinden sich die ältesten Gebäudeteile des Spitals mit ihren beeindruckenden Kellergewölben. Ein Rundgang durch die älteste Stiftungsbrauerei der Welt unter der Leitung von Biersommelier Daniel Goedeke bildete den Abschluss der Führung. Dabei konnten die Teilnehmer verschiedene Biersorten verkosten. Besonderen Anklang fand das Jubiläumsbier „s800er“.
Doch was verbindet Pflegeheim und Brauerei? Die Gewinne der Brauerei fließen ausschließlich in den Unterhalt des Alten- und Pflegeheims. Einen sogenannten „Schlummertrunk“ für die „Spitaler“, bestehend aus Bier und Wein, gibt es bereits seit dem Jahr 1238. Diese Tradition besteht bis heute fort. Zwar wurde die Menge im Laufe der Zeit reduziert, dennoch erhalten die Heimbewohner nach wie vor sechs Halbe Bier pro Woche.
Im benachbarten Spitalarchiv, einem der bedeutendsten Archive Deutschlands, wird ein durch Kriege und Brände unversehrt gebliebener Urkundenbestand bis zurück ins 12. Jahrhundert aufbewahrt. Neben rund 5.000 Urkunden haben sich etwa 4.500 Bücher sowie mehrere Tausend Akten und Pläne erhalten. Das Archiv dient nicht nur als „Gedächtnis der Spitalverwaltung“, sondern auch der wissenschaftlichen Forschung sowie der Heimat- und Familienforschung. Weitere Informationen: www.akademie-ostbayern-boehmen.de








