Der „Kolm“ in Pingarten war früher ein Dampfschotterwerk
„Pingartener Porphyr“ oder „Erzhäuser Arkose“?

Erzhäuser/Pingarten. Anbei eine über 120 Jahre alte, vom Neunburger Künstler Georg Dorrer gezeichnete Ansichtskarte, die das Dampfschotterwerk der Hartsteinindustrie A.G. aus Würzburg, welches sich etwas nordwestlich von Erzhäuser am so genannten Pingartener „Kolm“ befand, zeigt. Der „Kolm“ in Pingarten ist heutzutage nicht nur bei Insidern besonders in heißen Sommermonaten, wie in diesem Jahr, infolge seines kühlen Wassers als beliebter kleiner Badesee bestens bekannt, sondern auch als Standort des Pingartener Feuerwehrgerätehauses. An der nördlichen Seite wird das kleine Gewässer von einem bis zu 40 m hohen und rund 300 m langen, mächtigen, rötlich schimmernden Gesteinsmassiv überschattet. Hierbei handelt es sich um die Wände eines ehemaligen Steinbruchs, in dem anfangs des 20. Jahrhunderts intensiv der untere Teil der Erzhäuser Arkose, ein abgelagertes feldspatreiches Flutsediment, welches durch eine Verwechslung mit einem ähnlich aussehenden vulkanischen Gestein fälschlicherweise den Namen „Pingartener Porphyr-Kolm“ erhielt, abgebaut wurde. Bald nach Eröffnung der Bahnlinie Bodenwöhr-Neunburg v.W. wurde um 1900 die Ausbeutung des aus Porphyr (tatsächlich Arkose) bestehenden Naturkegels Kolm durch Josef Pöll, Gastwirt und Dampfziegeleibesitzer in Erzhäuser, betrieben. Im Jahr 1902 trat an die Stelle Pölls der Gutsbesitzer Max Josef Taucher aus Blechhammer, der am Kolm ein Dampfschotterwerk errichtete. Von dort aus führte eine Bremsbergbahn (sh. auf der Ansichtskarte rechts oben) über das abschüssige Gelände zur ehemaligen Bahnstation in Erzhäuser, wo der Schotter auf die Waggons verladen und mit der Bahn abtransportiert wurde (sh. auf der Ansichtskarte links unten). Mit dem gewonnenen Gesteinsmaterial wurden die Strecken der bayerischen Staatseisenbahn beschottert. Taucher verkaufte dann 1906 dieses Werk an die Hartsteinindustrie A.G. aus Würzburg. Diese stellte, nachdem die Bahnverwaltung immer mehr den besser geeigneten und wetterbeständigeren Granit dem Porphyr (tatsächlich Arkose) vorzog, um 1912 den Betrieb des Schotterwerkes ein und beseitigte alle Bauten und Maschinen. Nach der Beendigung der Schottergewinnung blieben nur noch die Steinbruchwände und der Badesee als Zeugen des einstigen Dampfschotterwerkes und der mit Wasser gefüllten Schottergrube zurück. Vor einigen Jahren wurde der „Kolm“ mit der Bezeichnung „Ehemaliger Steinbruch im Pingartener Pophyr“ durch das Bayerische Landesamt für Umwelt in die Liste „Bayerns schönste Geotope“ (Nr. 6) aufgenommen. Der heute aufgelassene Steinbruch bei Pingarten ist bayernweit der einzige größere Aufschluss in Rotliegend-Sedimenten und besitzt daher Seltenheitswert.
Eine Vielzahl solcher alten historischen Fotos und Begebenheiten sind in der Festzeitschrift der FFW Erzhäuser, die anl. des 125jährigen Gründungsjubiläums im letzten Jahr herausgegeben wurde, niedergeschrieben. Bei diesen Beiträgen geht es nicht nur um die Wehr selbst, sondern vor allem um die Geschichte und Geschichten der ehemaligen Gemeinde Erzhäuser mit ihrer bewegten Vergangenheit. Wer noch so eine Festzeitschrift erwerben will, um diese interessanten und zum Teil auch lustigen Geschichten nachzulesen, soll sich mit Randolf Alesch, Tel. 09434/901010, Mobil/WhatsApp 0160/95927589 oder Mail: randolf.alesch@t-online.de in Verbindung setzen.








