Donnerstag, 16. Juli 2026

Zwischen Seen, Weihern und Waldwegen

Radtour vom Steinberger See zum Klausensee

Touristisches Leuchtturmprojekt nannte die Bayerische Staatszeitung die weltweit größte Erlebnis-Holzkugel – sie stand gleich ganz am Anfang unserer Tour. Fotos: Randolf Alesch

Bei der fünften Etappe begeben wir uns diesmal zu zwei touristischen Schwergewichten im Herzen des Oberpfälzer Seenlands: zum südlich von Schwandorf gelegenen, schon etwas angestaubt und nostalgisch wirkenden Klausensee sowie zu seinem Pendant, dem deutlich jüngeren, moderneren, aktiveren und sportlicheren Steinberger See. Wir starten am bisher heißesten Tag des Jahres direkt am Westufer des Steinberger Sees. Mit 184 Hektar ist er der größte See Ostbayerns.

Der Steinberger See und sein etwas weiter nördlich gelegener kleinere Bruder, der Knappensee, entstanden in den 1980er-Jahren nach dem Ende des Braunkohlebergbaus und der Flutung der Abbaugruben. Auch das Scheitern der geplanten WAA prägte den Strukturwandel in der Region. Das Thermometer zeigt mehr als 35 Grad, als wir beim Wild Wake Park starten – einer modernen, großzügigen Wassersport- und Freizeitanlage, auf der man Wasserski fahren, wakeboarden oder Minigolf spielen kann.

Weltweit größte begehbare Holzkugel

Direkt am See entlang kommen wir nach wenigen Metern bereits zum inMotion Park mit der weltweit größten begehbaren Holzkugel. Sie ist 40 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 50 Metern. Zum Areal gehören außerdem ein nagelneuer Kletter-Trail, die Kugelwirtschaft sowie neue Chalets direkt am See. Es ist schon unglaublich, was hier in kurzer Zeit alles entstanden ist. Auch auf dem See selbst ist jede Menge los: Segelboote, Wasserskifahrer, Stand-up-Paddler, Surfer und Badende.

Am etwas abseits gelegenen Waldcafé mit seinem tollen Biergarten vorbei fahren wir nach Süden, über den Kreisverkehr hinweg und auf dem Radweg in Richtung Klardorf. Rund einen Kilometer später passieren wir das Teichgut Mulzer, in dessen Hofladen frische Fischspezialitäten angeboten werden. Hier wechseln wir auf die andere Straßenseite, weil wir nicht länger direkt an der Straße entlang, sondern durch das Klardorfer Weihergebiet fahren wollen.

Entlang des Schreckenbachs geht es zunächst über die Autobahn und dann links ab in das Weihergebiet mit Lohren- und Kammerweiher. Mehrere Infotafeln informieren über die traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern – ruhig und richtig idyllisch ist es hier.

Bahnschranke öffnet nicht

Nach einem kleinen Waldstück stoßen wir auf die Bahnstrecke Regensburg–Schwandorf und einen neu angelegten Weg. Diesem folgen wir nach Norden, um die Gleise am beschränkten Übergang Unterweiherhaus zu queren. Pech gehabt: Trotz eines Anrufs über die Sprechanlage öffnet sich die Schranke nicht.

Nach einigen Minuten des Wartens entschließen wir uns, auf dem parallel zur Bahnstrecke verlaufenden Weg in südlicher Richtung nach Klardorf weiterzufahren, um dort auf die andere Seite zu kommen. In Klardorf besteht die Gelegenheit, im Turmrestaurant Obermeier einzukehren. Wir fahren aber weiter bis zur Einmündung in die Zielheimer Straße und biegen dort nach rechts in Richtung Schwandorf ab.

Den nächsten Kreisverkehr am Ortsende von Klardorf überqueren wir und fahren auf dem geteerten Radweg weiter nach Norden. Nach rund einem Kilometer kommen wir zum Club Ski Nautique. Dessen Wassersportanlage entzieht sich allerdings durch dichte Sträucher unseren neugierigen Blicken – nur das Geräusch von Motorbooten ist zu hören. Schade.

Schon bald erreichen wir den Klausensee und die Anlegestelle des Segel- und Surf-Clubs Schwandorf-Klausensee. Von dort aus haben wir einen guten Blick auf den größtenteils von Wald umgebenen, bis zu sechs Meter tiefen See, der in den 1970er-Jahren durch Kiesabbau entstanden ist.

Pause am Klausensee

Nur wenige Meter später biegen wir nach rechts in Richtung Naturbad Klausensee ab. Dort genehmigen wir uns in der Seeklause ein erfrischendes Radler. „Randolf, kennst du mich noch?“, fragt mich plötzlich die Frau hinter der Theke. Etwas überrascht schaue ich auf und erkenne tatsächlich die Witwe eines Jugendfreundes, der bereits vor einigen Jahren verstorben ist. Damit hatte ich nicht gerechnet – ein kurzer, freundlicher Small Talk schließt sich an.

Der Badeplatz am Klausensee mit Sandstrand wirkt im Vergleich zum lebhaften Treiben am Steinberger See deutlich ruhiger, entspannter und nostalgischer – fast wie in den 1970er- und 1980er-Jahren. Danach geht es auf dem neu angelegten Radweg parallel zur Hans-Kraus-Allee weiter. Wir überqueren erneut die Bahnlinie nach Regensburg und biegen am Ortseingang von Schwandorf an der Steinberger Straße auf den Radweg Richtung Steinberg ab. Kurz nachdem wir die Autobahn unterquert haben, erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt. Wir wollen aber noch eine Runde um den Knappensee dranhängen.

In der „Seeklause“ im Naturbad Klausensee nehmen wir eine kleine Erfrischung zu uns und genießen den Blick auf den Klausensee.

Knappenseerunde

Während der Steinberger See ein lebendiges Zentrum für Wassersport und Freizeitaktivitäten ist, präsentiert sich der Knappensee als ruhiges und weitgehend unberührtes Naturparadies. Wer genügend Zeit und Interesse mitbringt, kann auf dem direkt am Radweg liegenden Museumslehrpfad einen Einblick in die Geschichte des Braunkohleabbaus in Wackersdorf gewinnen. Wir umrunden den Knappensee auf Waldwegen und fahren anschließend zurück zum Steinberger See, wo uns der Bikepark mit der Hamburgerei erwartet.

Wir entschließen uns, noch eine Runde um den See zu drehen. Am Seeabenteuerpark MoviNGround vorbei geht es über Steinberg zum Yachtclubgelände auf der südlichen Seite des Sees. Wir folgen dem Seeuferrundweg und gelangen bald zur Segelschule Steinberg. Bei der dortigen Gaststätte und Pizzeria Seeblick genehmigen wir uns noch ein leckeres Weizenbier und genießen zum Abschied den tollen Ausblick auf den See.

Eines ist uns auf dieser Tour noch aufgefallen: Am Steinberger See hört man deutlich mehr verschiedene Sprachen als anderswo – Englisch, Tschechisch, Französisch, Italienisch, Arabisch oder Ukrainisch.

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