Donnerstag, 16. Juli 2026

„Kultur ist für die soziale Vielfalt wichtig“ – Interview mit den Machern des ZKF und des Schlosspark-Festivals

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Schwandorf und Schwarzenfeld haben sich in den letzten Jahren zu echten Festival-Hotspots entwickelt. Größen wie Ronan Keating, LaBrassBanda oder Wolfgang Ambros lockten tausende Besucher an. Doch was passiert hinter den Kulissen? Josef Rossmann sprach für den Oberpfalz Boten mit den Machern des Zeltkulturfestivals (ZKF) und des Schlosspark-Festivals: Arthur Theisinger, Michael Gradl und Sponsor Matthias Simmel über Herzblut, bürokratische Hürden und die wirtschaftliche Realität.

Eine Vielzahl von berühmten Künstlern tritt im Landkreis auf. Foto: Fabian Borkner

Bevor wir in die Details einsteigen: Wie ist die Idee zu den Festivals eigentlich entstanden und wer zieht im Hintergrund die Fäden?

Arthur Theisinger: Die Geburtsstunde schlug kurz vor Corona, als wir den Musik- und Kulturverein gründeten. Das erste ZKF in Schwandorf war für 2020 geplant, musste aber wegen der Pandemie verschoben werden und fand schließlich 2023 statt. Im Verein teilen wir uns die Aufgaben flexibel auf. Ich kümmere mich intensiv um das Bandbooking und die Künstlerbetreuung vor Ort.

Michael Gradl: Und ich übernehme die Genehmigungsprozesse, Bestellungen, Infrastruktur und den Aufbau. Wir arbeiten Hand in Hand. Die Idee entstand ganz klassisch am zweiten Weihnachtsfeiertag: Arthur und ich saßen beide als Selbstständige im Büro, uns war langweilig, wir telefonierten und fingen an zu spinnen. Ursprünglich wollten wir in Schwandorf sogar drei Bühnen bespielen.

Herr Simmel, Sie sind 2024 über einen Sponsoring-Kontakt dazugekommen. Was fasziniert Sie als Immobilienunternehmer an dieser Arbeit?

Matthias Simmel: Kultur ist für die soziale Vielfalt enorm wichtig. Als ich Backstage sah, wie viel Arbeit hier drinsteckt, hat mich das gepackt. Ich sehe mich heute als der „kleine Hausmeister“ im Team. Ich baue Stühle auf und ab, knipse Karten ab und schätze den direkten Kontakt zu den Leuten. Es ist der perfekte, geerdete Ausgleich zu meinem normalen Tagesgeschäft.

Ein Festival braucht Platz. Während Schwarzenfeld den Schlosspark öffnete, gab es in Schwandorf im Vorfeld einige Diskussionen um Standorte. Wie lief die Zusammenarbeit mit den Gemeinden?

Michael Gradl: In Schwandorf hatten wir tolle Konzepte für zwei Gelände – hinter dem Sepp-Simon-Stadion und auf der offiziellen Festwiese beim Freibad. Beide wurden uns vom Kultur- und Ordnungsamt als nicht durchführbar eingestuft, ohne dass überhaupt groß verhandelt wurde. Das war extrem schade, da die Infrastruktur ideal gewesen wäre.

Arthur Theisinger: In Schwarzenfeld lief es völlig anders. Bürgermeister Peter Neumeier hörte von unseren Problemen und bot uns sofort den Schlosspark an. Innerhalb von drei Tagen ging das durch alle Gremien und Ämter. Die Zusammenarbeit ist fantastisch, die Entscheidungswege sind kurz und agil.

Matthias Simmel: Man muss den Standortvorteil sehen: So ein Festival bringt enormen Tourismus. Wir haben Besucher aus ganz Deutschland, die Hotels und Restaurants sind ausgebucht, die Campingplätze voll. Das ist ein riesiger Mehrwert für das gesamte Oberpfälzer Seenland. Tourismusverbände wie auch Landrat Thomas Ebeling unterstützen uns daher glücklicherweise großartig.

Matthias Simmel (li.) erläutert sein Engagement mit Redaktionlseiter Josef Roßmann. Foto: Fabian Borkner

Ihr holt Weltstars in die Region. Wie überzeugt man solche Künstler von Orten wie Schwarzenfeld?

Arthur Theisinger: Heutzutage reicht es nicht mehr, eine Bühne auf einen Parkplatz zu stellen. Wir kreieren Events in einem anspruchsvollen, wohligen Ambiente. Wenn Agenturen Bilder vom Schlosspark sehen, überzeugt sie das. Und wenn ein Ronan Keating oder Samu Haber einmal da waren, spricht sich das in der Branche herum.

Trotz des Erfolgs hört man immer wieder von Festivals, die wegen explodierender Kosten aufgeben müssen. Wie sieht die wirtschaftliche Realität bei euch aus?

Arthur Theisinger: Machen wir uns nichts vor: Reich wird man damit nicht, oft ist es ein reiner Geldwechsel. Die Kosten für Energie, Speditionen, Personal und die Künstlergagen haben sich seit Corona teilweise verdoppelt. Gleichzeitig gibt es eine psychologische Grenze bei den Ticketpreisen. Wir wollen ja bewusst bezahlbar bleiben – bei uns kostet eine Karte keine 250 Euro wie bei manch anderen Großveranstaltungen. Ohne unsere treuen Sponsoren und den unentgeltlichen, ehrenamtlichen Einsatz des gesamten Teams wäre das finanziell überhaupt nicht tragbar.

Ein Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter mit dem ZKF und Schwarzenfeld?

Arthur Theisinger: Bei Clubkonzerten und kleineren Zeltsachen spüren wir die allgemeine Kaufzurückhaltung, da die Menschen wegen der Inflation ihr Geld für den Haupturlaub sparen. Für Schwarzenfeld stehen die Zeichen aber definitiv auf Fortführung – da laufen bereits die Verträge für die nächsten hochkarätigen Acts. Beim Zeltkulturfestival in Schwandorf müssen wir uns intern noch zusammensetzen und die weitere Entwicklung abwarten. Da das nächste reguläre ZKF erst für September 2027 ansteht, haben wir zum Glück noch etwas Zeit fürs Feintuning.

Facebook
LinkedIn
Email
Print