Montag, 20. April 2026

„Schach“ dem Vergessen – Schachklub Schwandorf übergibt Gründungsprotokoll dem Stadtarchiv

Mit dem Protokollbuch des Schachklubs Schwandorf e. V. ist ein weiteres historisches Dokument der Schwandorfer Vereinsgeschichte in das Stadtarchiv gezogen. Im Bild (v. l. n. .r): Johannes Paar (1. Vorsitzender Schachklub Schwandorf), Dr. Andrea Tonert (Archivarin, Stadtarchiv Schwandorf) und Oberbürgermeister Andreas Feller. Foto: Andreas Hofmeister

Ein Stück Vereinsgeschichte hat ein neues Zuhause gefunden: Der Schachklub Schwandorf e. V. hat sein ältestes Protokollbuch an das Stadtarchiv Schwandorf übergeben. Das historische Dokument, das die Jahre von der Gründung 1925 bis 1953 umfasst, wird dort künftig nicht nur dauerhaft bewahrt, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Verantwortlichen des Schachklubs Schwandorf 1925 waren sich schon lange bewusst, dass sie im Besitz eines wertvollen und sehr anschaulichen Zeitzeugnisses sind. Auf Anregung des Ehrenvorsitzenden Günter Jehl reifte so die Entscheidung, das Protokollbuch nach dem 100. Jubiläum des Vereins letztes Jahr der Stadt Schwandorf zu übereignen und damit für kommende Generationen dem kollektiven Gedächtnis zu sichern. Dabei war die Stadt Schwandorf seit jeher eine Stütze des Vereins. Bereits 1926 bedankte sich der damals 1. Vorsitzende Georg Scharl beim Stadtrat für die Stiftung eines „Schachspiels aus echtem Volkstädter Porzellan“ im Wert von 50 Mark als Preis für die in Schwandorf ausgetragenen Oberpfalzmeisterschaften. Scharl schließt sein Dankesschreiben mit dem Wunsch „dass durch das Schachspiel auch weiterhin alle Schichten der Bevölkerung ohne Rücksicht auf Stand, Konfession und politische Anschauung sich näher gebracht werden möchten“ – ein Motto, das heute immer noch seine Gültigkeit hat.
Seinen Anfang nimmt das Protokollbuch bei einem Treffen von acht schachbegeisterten Herren im Jahr 1925. In den folgenden Einträgen entfaltet sich ein anschauliches Bild des Vereinslebens: festgehalten sind Versammlungen, Turniere, Siege und Niederlagen – aber auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen. Innerhalb nur eines Jahres wuchs der Verein von acht auf 40 Mitglieder. Ein kleiner Anreiz half dabei offenbar nach: Wer im Dezember 1925 kein neues Mitglied warb, musste eine Mark in die Vereinskasse zahlen.
Neben dem Vereinsalltag finden sich auch besondere Höhepunkte in den Aufzeichnungen, darunter eine Simultan-Vorstellung mit dem deutschen Schachmeister Wolfgang Unzicker anlässlich des 25-jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 1950. Das Stadtarchiv Schwandorf bewahrt als „Gedächtnis der Stadt“ Zeugnisse aus über fünf Jahrhunderten – von einer Urkunde aus dem Jahr 1452 bis in die Gegenwart. Die Bestände
reichen von Verwaltungsakten und Dokumenten der ehemals selbstständigen Gemeinden über Plakate, Fotografien und Pläne bis hin zu Nachlässen und Zeitungen. Mit dem Protokollbuch wird diese Sammlung nun um eine besonders anschauliche Quelle zur regionalen Vereins- und Kulturgeschichte ergänzt. Das Dokument wird fachgerecht gelagert und digitalisiert, sodass es auch langfristig erhalten bleibt.

Oberbürgermeister Andreas Feller würdigte die Übergabe als wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Stadtgeschichte: „Mit dem Protokollbuch des Schachklubs wird ein lebendiges Stück Schwandorfer Vereinsleben dauerhaft gesichert. Solche Dokumente sind von unschätzbarem Wert, weil sie Geschichte greifbar machen und zeigen, wie sehr Engagement und Gemeinschaft unsere Stadt seit jeher prägen.“
Interessierte können das Protokollbuch nach Vereinbarung im Stadtarchiv (Spitalgarten 1, 92421 Schwandorf) einsehen. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 8.00 bis 11.45 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr sowie freitags bis 12.00 Uhr.

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