Montag, 18. Mai 2026

Wölsendorf feiert Bergbau-Denkmaleinweihung

Mit dem Denkmal soll die bergmännische Tradition auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Fotos: Hans-Peter Weiß

Mitten im Herzen von Wölsendorf wurde am Wochenende ein Denkmal zur Erinnerung an den traditionsreichen Bergbau feierlich eingeweiht. In zahlreichen Arbeitsstunden hatten die Mitglieder des Bergknappenvereins „Marienschacht“ Wölsendorf eine würdige Erinnerungsstätte an die Zeit des Flussspatbergbaus geschaffen.

Die Feierlichkeiten begannen mit einer Maiandacht, die Pfarrer Maximilian Mossbauer zelebrierte. Neben Bürgermeister Michael Wilfahrt und mehreren Gemeinderäten nahm auch der stellvertretende Landrat Hans Prechtl an der Veranstaltung teil. Zu den Ehrengästen zählten außerdem Abordnungen der Bergknappenvereine Stulln-Schwarzenfeld und des Patenvereins Wackersdorf sowie Armin Kraus, Landesvorsitzender der Bergmanns-, Knappen- und Hüttenmännischen Vereine. Das ILE Brückenland Bayern-Böhmen wurde durch Christian Karl vertreten. Für einen festlichen Rahmen sorgten darüber hinaus zahlreiche örtliche Vereine mit ihren Fahnenabordnungen, darunter der Gartenbauverein, die Feuerwehr, die Schützen, die Dorffrauen und die Dorfjugend.

Für Pfarrer Mossbauer war es die erste Einweihung eines Denkmals. Nach der musikalisch von den Nabburger Musikanten umrahmten Maiandacht spendete er dem Denkmal den kirchlichen Segen. Mit dem gemeinsam gesungenen Steigerlied fand der Festakt am Denkmal seinen feierlichen Abschluss. Anschließend versammelten sich die Gäste im benachbarten Dorfstadel, wo die Musiker unter der Leitung von Josef Weber zünftig aufspielten. In seiner Festrede erinnerte der Vorsitzende des Bergknappenvereins „Marienschacht“ Wölsendorf, Dr. Wolfgang Lehner, an die große Bedeutung des Bergbaus für Wölsendorf und die gesamte Region. Über Generationen hinweg habe der Bergbau das Leben vieler Familien geprägt. Gerade in einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gegend ohne größere Industrie sei er über Jahrzehnte hinweg ein wichtiger Arbeitgeber gewesen und habe zahlreichen Menschen Arbeit und Lebensunterhalt gesichert.

Lehner betonte zudem die enge Verbundenheit vieler Familien mit dem Bergbau und hob hervor, wie wichtig es sei, die Erinnerungen und Geschichten aus dieser Zeit an jüngere Generationen weiterzugeben. Er selbst gehöre bereits zu einer Generation, die den aktiven Bergbau in Wölsendorf nicht mehr erlebt habe und vieles nur aus den Erzählungen seines Großvaters kenne, der selbst im Bergbau tätig gewesen sei. Im Bergknappenverein habe er Menschen kennengelernt, die sich über Jahrzehnte hinweg mit großem Engagement für den Erhalt der Tradition eingesetzt hätten. Auch wenn viele den aktiven Bergbau selbst nicht mehr erlebt hätten, trügen sie die Geschichte weiter und hielten die Erinnerung lebendig. Stellvertretend für diese engagierten Mitglieder nannte Lehner den langjährigen ersten Vorsitzenden Fritz Held. Unter dessen Leitung habe der Verein viele neue Mitglieder gewonnen und insbesondere das Besucherbergwerk am Heinrich-Kocher-Stollen entscheidend geprägt. Anschließend schildert Lehner die harten Arbeitsbedingungen unter Tage. Die Arbeit im Bergbau sei körperlich äußerst anstrengend und oft gefährlich gewesen. Dazu sagte er: „Unter Tage wurde schwer gearbeitet, oft unter schwierigen Bedingungen, mit großem körperlichem Einsatz und nicht selten auch mit Gefahr für Leib und Leben.“ Besondere Bedeutung mass er den bekannten Bergwerken der Region bei. Mit Gruben wie dem Johannesschacht, dem Marienschacht und dem Heinrich-Kocher-Stollen sei Wölsendorf weit über die Oberpfalz hinaus bekannt geworden. Vor allem der Abbau von Flussspat habe einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dargestellt und vielen Menschen Arbeit und Brot gegeben.

Mit dem Ende des Bergbaus verschwanden nach und nach auch die sichtbaren Zeugnisse dieser Zeit. Lehner beschrieb, dass der Heinrich-Kocher-Stollen, der vielen noch als Besucherbergwerk bekannt sei, inzwischen eingestürzt und nicht mehr zugänglich sei. Auch ehemalige Schächte und Grubenbereiche seien in den vergangenen Jahren gesichert und verfüllt worden. Dennoch hinterlasse der Bergbau bis heute Spuren in der Heimat und im Bewusstsein der Menschen. Gerade deshalb sei das neue Denkmal von großer Bedeutung. Lehner erklärte: „Umso wichtiger ist es, dass die Erinnerung nicht schwindet. Es soll an die harte Arbeit der Bergleute erinnern. Es soll an die Bedeutung des Bergbaus für unsere Heimat erinnern und es soll ein Zeichen dafür sein, dass Tradition und Geschichte nicht vergessen werden.“ Besonders stolz zeigte sich der Vorsitzende darüber, dass das Denkmal vollständig in ehrenamtlicher Arbeit entstanden sei. Viele Mitglieder hätten im vergangenen Sommer unzählige Stunden investiert, geplant, organisiert, gebaut, transportiert und gestaltet. Dafür sprach er allen Helferinnen und Helfern seinen herzlichen Dank aus. Ein besonderer Blickfang des Denkmals sei der originale Schachtaufzugskorb, den der Verein von Konrad Reichhart vom Reichhart-Schacht erhalten habe.

In seinem Grußwort würdigte Bürgermeister Michael Wilfahrt die große historische Bedeutung des Bergbaus für die Gemeinde. Das Denkmal sei nicht nur ein sichtbares Erinnerungszeichen, sondern bewahre zugleich ein wichtiges Stück Heimatgeschichte. Sein Dank galt dem Bergknappenverein „Marienschacht“ Wölsendorf, allen Helfern sowie der ILE Brückenland Bayern-Böhmen für deren Engagement bei der Umsetzung des Projekts. Gleichzeitig äußerte Wilfahrt die Hoffnung, dass die Geschichte und Tradition des Bergbaus auch künftig lebendig gehalten werden.

Das Bergbau-Denkmal ist ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für die Leistungen früherer Bergleute.

Der neue stellvertretende Landrat Hans Prechtl zeigte sich erfreut, gleich bei seinem ersten offiziellen Termin an der Einweihung eines Bergbau-Denkmals teilnehmen zu können. Der Bergbau präge die Region bereits seit dem 15. Jahrhundert, betonte der Landkreisvertreter, der dabei auch auf die eigenen familiären Wurzeln im Bergbau verwies. „Wenn man mit ,Grüß Gott‘ begrüßt wird, weiß man, dass man in Bayern ist. Wird man jedoch mit ,Glück auf‘ begrüßt, weiß man, dass man im Landkreis Schwandorf ist“, sagte Prechtl. Der Landkreis habe den Wandel vom Bergbau hin zur modernen Wirtschaftsstruktur erfolgreich gemeistert. Zugleich dankte er allen Beteiligten, die mit großem Einsatz zur Verwirklichung des Bergbau-Denkmals beigetragen hätten.

Bis in die Abendstunden wurde gemeinsam gefeiert und so die Dorfgemeinschaft lebendig gepflegt. Besonders für jüngere Besucher bot sich dabei die seltene Gelegenheit, mit ehemaligen Bergleuten ins Gespräch zu kommen, die einst in den umliegenden Gruben ihren Lebensunterhalt verdienten.

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