Gemeinsame Erklärung der Oberpfälzer Gleichstellungsbeauftragten

Allein in Deutschland kommt es beinahe täglich zu einem Femizid: Männer töten Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Die Täter stammen meist aus dem engsten Umfeld, überwiegend sind es die Partner und Ex-Partner. In Bayern sind es 2024 über 50.000 Frauen die Gewalt erleben, wobei 40 Frauen und Mädchen durch einen Femizid getötet werden (https://bayern-gegen-gewalt.de/ bzw. Gewalt gegen Frauen). Die Zahlen markieren einen dramatischen Höchststand von Gewalt gegen Frauen und Mädchen – Tendenz steigend.
Doch wie kann es so weit kommen? Der Weg dorthin ist ein schleichender Prozess und das Problem ist strukturell: Die stille Akzeptanz von Grenzüberschreitungen, wie übergriffigen Kommentaren oder Erniedrigungen baut auf der Grundlage fest verankerter Rollenbilder und der Abwertung des Weiblichen auf. Dies öffnet den Raum für psychische Gewalt und körperliche Übergriffe.
Genau diese tief verankerten Strukturen, die sich in sämtlichen Lebenslagen äußern, verdeutlichen die zentrale Bedeutung der Gleichstellungsarbeit. Ihre Aufgabe ist es, die Gleichberechtigung der Geschlechter voranzutreiben. Als Anlaufstellen vernetzen sie die Unterstützungsangebote vor Ort und machen auf die strukturelle Benachteiligung aufmerksam. Innerhalb unserer Behörden bringen Gleichstellungsbeauftragte die Chancengleichheit in den Stadt -und Landkreisverwaltungen voran. Gleichstellungsbeauftragte sind mit ihren internen und externen Themenschwerpunkten nicht nur ein „Nice-to-have“, sondern ein zentrales Instrument für eine gerechtere Gesellschaft. Kommunale Gleichstellungsbeauftragte sind der Knotenpunkt eines kommunalen Netzwerks aus allen Initiativen, Vereinen und Einrichtungen, die sich mit der Vielfalt an Gleichstellungsthemen auseinandersetzen. Sie fördern in einem hohen Maß die Bündelung von Interessen und vor allem knappe Ressourcen, indem sie Aktive zusammenbringen. Dies gelingt nur durch anhaltendende Präventions- und intensive Netzwerkarbeit unter Anderem zu folgenden Themen:
Care-Arbeit: Unbezahlt, aber systemrelevant
Die Erwartung, dass Frauen sich primär um Haushalt und Kinder kümmern, während Männer Karriere machen, ist tief verwurzelt und wirkt sich auf Berufswahl, Gehalt, Rente und gesellschaftliche Teilhabe aus. Sie leisten den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit – von Kinderbetreuung über Pflege von Angehörigen bis hin zur Hausarbeit. Diese Aufgaben bleiben oft unsichtbar und wirken sich negativ auf Karriereverläufe und finanzielle Unabhängigkeit aus. Eine gerechte Verteilung dieser Arbeit – etwa durch bezahlte Vaterschaftszeiten oder steuerliche Entlastungen – wird von Gleichstellungsbeauftragten seit Jahren gefordert. Ohne diese strukturellen Veränderungen bleibt das Risiko der Altersarmut bei Frauen hoch.
Gesundheit: Frauen werden übersehen
Auch im Gesundheitsbereich zeigt sich die strukturelle Benachteiligung: Frauen sind häufiger von psychischer Belastung betroffen – Stichwort Mental Load –, doch ihre Beschwerden werden oft nicht ernst genommen. Zudem werden viele medizinische Studien noch immer vorrangig an männlichen Probanden durchgeführt. Dies kann etwa bei Herzinfarkten tödlich sein. Die Symptome bei Frauen unterscheiden sich von denen bei Männern und werden oft nicht richtig erkannt.
Politische Teilhabe: Frauen in der Politik
Die politische Teilhabe von Frauen ist ein zentraler Baustein für die repräsentative Demokratie. Generell sind Frauen in der Kommunalpolitik stark unterrepräsentiert. Dies bedeutet, dass wichtige Perspektiven und Anliegen oft nicht ausreichend berücksichtigt werden. Eine ausgewogene Repräsentation ist entscheidend, um politische Entscheidungen inklusiv zu gestalten. Angesichts der rechtsextremen Tendenzen in der Gesellschaft, die Gleichstellung und Frauenrechte infrage stellen, ist es umso wichtiger, Frauen gezielt zu fördern und ihre politische Beteiligung zu stärken.
Fazit: Gleichstellung ist kein Selbstläufer
Gleichstellungsbeauftragte setzen Impulse für eine gerechtere, vielfältigere Kommune – sie erinnern uns daran, dass Gleichstellung nicht nur auf dem Papier, sondern im Alltag verwirklicht werden muss. Solange Frauen in Deutschland häusliche, körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt erleben, in einflussnehmenden Bereichen wie Führungspositionen oder Politik unterrepräsentiert sind, finanziell benachteiligt und gesundheitlich übersehen werden, braucht es Menschen, die Missstände benennen und Veränderungen anstoßen. Somit sind die kommunalen Gleichstellungsstellen kein überholtes Instrument, sondern unverzichtbar für eine gerechte Gesellschaft und eine intakte Demokratie.








