Mittwoch, 26. August 2026

LEONET/UGG sagt geplanten eigenwirtschaftlichen Ausbau ab

LEONET hat den geplanten eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau in Teublitz abgesagt. Die Stadt informiert über die Hintergründe und die nächsten Schritte. Grafik: Thomas Stegerer

TEUBLITZ. Der seit mehreren Jahren angekündigte eigenwirtschaftliche Glasfaserausbau in Teublitz wird von LEONET nicht umgesetzt. Darüber wurde die Stadt Teublitz in einem persönlichen Gespräch von einem Vertreter der Unsere Grüne Glasfaser (UGG) informiert. Für die Stadt und insbesondere für die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die dem Ausbauprojekt über Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben, ist diese Nachricht eine große Enttäuschung.

Nachdem in letzter Zeit bereits zahlreiche Städte und Gemeinden in der Region und in ganz Bayern von vergleichbaren Rückzügen bei geplanten Glasfaserprojekten betroffen waren, trifft diese Entwicklung nun auch Teublitz. Noch bis zuletzt war die Stadt davon ausgegangen, dass der angekündigte Glasfaserausbau umgesetzt wird. Nach mehreren Verschiebungen des Baubeginns hatte UGG Ende Oktober 2025 mitgeteilt, dass an dem Projekt für Teublitz festgehalten werde und die Umsetzung im ersten Halbjahr 2026 beginnen solle. Zuvor waren bereits konkrete Planungen für den Ausbau erfolgt und es lagen alle erforderlichen Genehmigungen vor.

LEONET begründet die Entscheidung mit einer Anpassung der Ausbaustrategie im Zuge der Übernahme der LEONET-Muttergesellschaft Infrafibre Germany (IFG) durch UGG. Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen auf dem deutschen Glasfasermarkt würden Ausbauprojekte neu priorisiert. UGG und LEONET wollen sich nach eigenen Angaben in den kommenden Monaten auf Projekte konzentrieren, die möglichst schnell realisiert werden können. Als wirtschaftliche Rahmenbedingungen nennt das Unternehmen unter anderem die Kapazitäten und Kosten von Baupartnern, gestiegene Materialkosten und Inflation sowie mögliche Aktivitäten von Wettbewerbern vor Ort. Die seit Abschluss der Kooperationsvereinbarung veränderte Lage am Glasfasermarkt lasse nach Angaben des Unternehmens einen eigenwirtschaftlichen Ausbau in Teublitz derzeit nicht mehr zu.

„Auch ich habe auf diese Zusagen vertraut“

Besonders enttäuscht zeigt sich Bürgermeister Thomas Beer. Er hatte sich gemeinsam mit dem Stadtrat und der Stadtverwaltung von Beginn an für den geplanten Ausbau eingesetzt und das Vorhaben gegenüber der Bürgerschaft unterstützt.

„Diese Nachricht trifft uns hart und ist für mich komplett unverständlich. Auch wenn sich der Markt gedreht hat, ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum UGG ein Projekt fallen lässt, bei dem mehr als 2.600 Anschlüsse in einem kompakten Gebiet mit fertiger Planung und allen Genehmigungen kurz vor der Realisierung standen. Hinzu kommt, dass für einen Großteil der geplanten Anschlüsse bereits Vorverträge unterschrieben waren“, erklärt Bürgermeister Thomas Beer.

Vor allem tue es ihm für die vielen Bürgerinnen und Bürger leid, die diesem Projekt vertraut und teilweise bereits vor Jahren einen Vertrag mit LEONET abgeschlossen haben. „Wir haben uns als Stadt und Stadtrat mit voller Überzeugung hinter den Glasfaserausbau gestellt, weil uns gegenüber – auch seitens des Unternehmensvorstands – wiederholt zugesichert wurde, dass der Ausbau umgesetzt wird. Auch ich persönlich habe auf diese Zusagen vertraut und die Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigt, diesen Weg gemeinsam mit LEONET zu gehen“, so Bürgermeister Thomas Beer weiter.

Gleichzeitig stellt der Bürgermeister klar: „Die Entscheidung, den angekündigten eigenwirtschaftlichen Ausbau nun nicht umzusetzen, wurde nicht von der Stadt Teublitz getroffen. Trotzdem stehen wir gegenüber unseren Bürgerinnen und Bürgern in der Verantwortung, mit dieser Situation offen umzugehen und jetzt nach neuen Lösungen zu suchen.“

Vom großen Zuspruch bis zur wiederholten Verschiebung

Begonnen hatte das Ausbauprojekt im Jahr 2023. LEONET plante damals, große Teile des Teublitzer Stadtgebiets eigenwirtschaftlich mit einem Glasfasernetz zu erschließen. Voraussetzung dafür war, dass sich während der Vorvermarktung mindestens 25 Prozent der Haushalte für einen entsprechenden Vertrag entschieden. Die notwendige Quote wurde bereits rund einen Monat vor Ablauf der Frist erreicht. LEONET selbst sprach damals vom „Vertrauensvorschuss“ der Teublitzerinnen und Teublitzer.

Für die außerhalb des eigenwirtschaftlichen Ausbaugebiets liegenden Weiler und Gehöfte wurde parallel ein geförderter Ausbau vorbereitet. Im Februar 2024 unterzeichneten die Stadt und LEONET hierzu einen Kooperationsvertrag. Für die noch ausstehenden 44 Haushalte wurden der Stadt Fördermittel des Freistaats Bayern in Höhe von 396.000 Euro zugesagt. Damit sollte auf dem Papier eine Versorgung aller Haushalte im Stadtgebiet mit schnellem Internet erreicht werden.

Der angekündigte Baustart wurde in der Folge jedoch mehrfach verschoben. Nachdem die Arbeiten ursprünglich im Herbst 2024 beginnen sollten, wurde zunächst das Frühjahr 2025 als neuer Termin genannt. Im Frühjahr 2025 kündigte LEONET dann einen Baubeginn im dritten Quartal 2025 an und bezeichnete das Projekt als in der „finalen Planungsphase“ befindlich.

Nach der Übernahme von LEONET durch UGG folgte Ende Oktober 2025 eine weitere Verschiebung auf das Frühjahr 2026. Als Grund wurde damals eine strategische Neuausrichtung und Neubewertung der Ausbauprojekte genannt. Gleichzeitig betonte UGG ausdrücklich, dass am Glasfaserprojekt für Teublitz festgehalten werde.

Was bedeutet die Entscheidung für bestehende Verträge?

Von der Entscheidung sind zahlreiche Bürgerinnen und Bürger betroffen, die im Vertrauen auf den angekündigten Ausbau bereits einen Vertrag mit LEONET abgeschlossen haben. Die Stadt Teublitz ist jedoch nicht Vertragspartner und kann deshalb keine verbindlichen Aussagen zu individuellen Vertragsverhältnissen treffen. Die Stadt hat UGG um eine klare und umfassende Information der betroffenen Kundinnen und Kunden gebeten.

Dazu hat LEONET angekündigt, die betroffenen Privat- und Gewerbekunden am Mittwoch, 26. August 2026 separat per E-Mail zu informieren. Nach Angaben des Unternehmens sind die im Zusammenhang mit dem geplanten Glasfaserausbau unterzeichneten Vorverträge hinfällig. Die betroffenen Kundinnen und Kunden müssen selbst nicht tätig werden; eine eigenständige Kündigung ist nicht erforderlich. Bereits bestehende DSL-Internet und Telefonverträge über die vorhandenen Telefonleitungen mit LEONET sind davon nicht betroffen; sie werden durch die Absage des Glasfaserausbaus nicht automatisch beendet.

Geförderter Ausbau muss gesondert betrachtet werden

Vom nun abgesagten eigenwirtschaftlichen Ausbau zu unterscheiden ist der geplante geförderte Ausbau für die bislang nicht ausreichend versorgten Haushalte in den umliegenden Weilern und Gehöften. Für insgesamt 44 Haushalte besteht hierzu ein separates Förderprojekt. Anders als beim eigenwirtschaftlichen Ausbau liegt hierfür ein gültiger Vertrag zwischen der Stadt Teublitz und LEONET vor. Zudem wurden bereits 50 Prozent der zugesagten Fördermittel an LEONET ausbezahlt.

Nach Angaben von LEONET ist über die Umsetzung dieses geförderten Ausbauprojekts noch nicht abschließend entschieden. Das Unternehmen bezeichnet das verbleibende Förderprojekt jedoch als unwirtschaftlich und vertritt die Auffassung, dass sich die Stadt für die betroffenen Haushalte nach einer anderen Lösung im Rahmen der weiteren Erschließung umsehen sollte.

Für die Stadt Teublitz ist die Sachlage dagegen klar: Sie erwartet, dass der bestehende Vertrag erfüllt und der vereinbarte geförderte Ausbau umgesetzt wird. Bürgermeister Thomas Beer unterstreicht diese Haltung: „Für den geförderten Ausbau besteht ein gültiger Vertrag, auf dessen Erfüllung wir bestehen. Hinzu kommt, dass LEONET bereits 50 Prozent der zugesagten Fördermittel erhalten hat. Wir haben UGG deshalb auch schriftlich unmissverständlich mitgeteilt, dass wir die Umsetzung des vertraglich vereinbarten Ausbaus erwarten.“

Ziel einer flächendeckenden Versorgung bleibt bestehen

Gemeinsam mit dem Breitbandberater der Stadt werden derzeit die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für eine möglichst flächendeckende Glasfaserversorgung geprüft. Dazu gehören mögliche alternative Ausbauwege ebenso wie die aktuellen Fördermöglichkeiten und Gespräche mit potenziellen Netzbetreibern. In der Stadtratssitzung am 24. September 2026 soll es dazu erste Ergebnisse geben.

Einen neuen Zeitplan möchte die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt bewusst nicht nennen. „Nach dieser Erfahrung werden wir keine neuen Termine oder Erwartungen wecken oder Versprechen mehr geben“, betont Beer. „Wir werden prüfen, welche realistischen Möglichkeiten uns jetzt offenstehen, um Teublitz doch noch möglichst flächendeckend mit einer zukunftsfähigen Glasfaserinfrastruktur auszustatten.“

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