Dienstag, 1. September 2026

Herbert Baumgärtner stellt sein Buch „WAA NIE !“ vor

WAA-Protestkämpfer: Herbert Baumgärtner. Foto: Hans-Peter Weiß

Rechtzeitig zum Jubiläum „40 Jahre WAA Widerstand“, damals verbunden mit Zaunkämpfen, bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Veranstaltungen rund um den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA), haben Herbert Baumgärtner veranlasst, einen Bildband zu gestalten. Zur Buchpräsentation „WAA NIE!“ übernahm im Büro der Linken Manfred Preischl die Begrüßung und Einführung. Eine Reihe von Widerstandskämpfern von damals hieß Preischl willkommen. Widerstandsikone Hans Schuierer ließ sich wegen eines anderen Pflichttermins entschuldigen.

Nach den beiden höchst erfolgreichen Buchvorstellungen in Regensburg im Akuso und Lokanta war dies die erste offizielle Präsentation von Baumgärtners Neuerscheinung im Landkreis Schwandorf. In seiner Einführung stellte Manfred Preischl die Bedeutung der damaligen Auseinandersetzungen heraus. Dabei erklärte er: „Es ist wichtig, dass wir uns heute mit den Zaunkämpfen vor 40 Jahren auseinandersetzen. Außerparlamentarischer Widerstand versetzt dann Berge, wenn er gesellschaftlich breit, zahlreich und gerecht ist.“ Dabei verwies Preischl insbesondere auf die Grundlage, auf der gesellschaftlicher Widerstand geführt werden müsse. Einen weiteren, für ihn besonders wichtigen Aspekt sah Preischl in der fotografischen Dokumentation der damaligen Ereignisse. Die Bilder der massiven Polizeigewalt und der entsprechenden Gegenreaktion seien ein Zeitdokument. 

„Noch wichtiger aber scheint ein Aspekt zu sein, der bei der Thematik nicht sofort ins Auge springt: Die Bilder der massiven Polizeigewalt und der entsprechenden Gegenreaktion sind ein Zeitdokument.“ Die Fotografien würden dabei eine Entwicklung sichtbar machen, die weit über die damaligen Ereignisse hinausweise: „Sie zeigen, dass es kein langsamer stetiger Prozess sein muss, der freiheitlich-demokratische Gesellschaftsformen aushebelt und in totalitäre Strukturen überführt.“ Preischl fasste diesen Gedanken schließlich mit einer eindringlichen Aussage zusammen: „Nein! Die freiheitlich demokratische Grundordnung kann mit einem Wimpernschlag außer Kraft gesetzt werden. Das machen Baumgärtners Bilder deutlich.“ Besonders prägend für die Einführung war auch das von Heribert Prantl formulierte Zitat: „Selig sind die Unruhegeister, denn sie erhalten uns die Heimat.“

Zur Buchpräsentation trägt Herbert Baumgärtner ein orangefarbenes Original-T-Shirt, das 1986 anlässlich des 5. WAAhnsinns-Festival aufgelegt wurde. Er blätterte anschließend in seinem Werk, erinnerte an die Wasserwerfer- und Tränengaseinsätze der Polizei, den Demos am Zaun und der überaus motivierten Bevölkerung. Zwei umgehängte Fotoapparate symbolisieren seine „politische Waffe“. Im Alter von etwa 20 Jahren war der  Regensburger Fotograf ständig auf dem WAA-Gelände und bei Veranstaltungen unterwegs. Oftmals musste er seine Filme, die er alle selbst entwickelte, an der Polizei vorbeischmuggeln, wie er betonte. Über 4000 Fotoaufnahmen entstanden in jener Zeit. Rund 500 Aufnahmen wurden schließlich in dem neuen Bildband aufgenommen.

An wichtige Stationen des WAA-Protests erinnerte anschließend Franz Waldmann vom Bund Naturschutz Regensburg. Der stellvertretende Sprecher für Atomenergie betont eingangs: „Wir haben verdammt viel erreicht“.  Als 16-Jähriger erlebte er den Widerstand an der Seite seines Vaters. Richtig los ging es 1985. Zu den Polizeieinsätzen von damals sagte Waldmann: „Die Polizei hat die Öffentlichkeit gefürchtet. Bayern begab sich auf den Weg ein autoritärer Staat zu werden. Der Supergau von Tschernobyl beflügelte den breit gefächerten Widerstand der nicht abriss. Die Frage ob der Ausstieg aus der Kernenergie ein Fehler war, beantwortete Waldmann mit einem klaren Ja. Atomenergie ist die teuerste Form der Energieerzeugung. Außerdem ist die Endlagerung immer noch nicht geklärt. Der Atomwiderstand war die Geburtsstunde der erneuerbaren Energien. „Wir dürfen den Atomausstieg nicht in Frage stellen und wir müssen die Energiewende verteidigen“, so der Forderung des BN-Vertreters.

Mit der Buchvorstellung wurde damit zugleich an die Zaunkämpfe vor 40 Jahren erinnert und die Bedeutung der bislang unveröffentlichten Fotografien Herbert Baumgärtners als Zeitdokument hervorgehoben. In einem abschließenden Statement bekräftigte SPD-Stadtrat Franz Schindler: „Ja, der Protest gegen die WAA war richtig und wichtig“.

Das Buch enthält rund 500 mitreißende, bisher unveröffentlichte Schwarz-Weiß-Fotos von sowie eine lesenswerte Einführung des bekannten SZ-Journalisten Heribert Prantl.

Das Buch ist im Verlag BunteHunde (https://editionbuntehunde.de/) erschienen und kostet 29 Euro.

Seine Kamera war die „politische Waffe“.
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