
Wie in fast allen Pfarreien des Landkreises wurde auch in Steinberg am See traditionell das Fronleichnamsfest gefeiert. Nach dem Gottesdienst mit Pater Robin in Sankt Martin zog die Prozession mit den Fahnenabordnungen der Ortsvereine und Gläubigen durch die Straßen der Gemeinde. Mit dem „Birkerlfest“ am Feuerwehrgerätehaus unter den Klängen der Schwarzenfelder Musikkapelle wurde der Tag beendet.
Wie fast überall ließ die Teilnehmerzahl zu früheren Jahren zu wünschen übrig. Vor vielen Jahrzehnten waren die Straßen noch mit frisch duftendem Schilf bedeckt und die Kinder streuten Blumen. Die Straßen waren von Birken gesäumt. Das im Volksmund oft noch als „Prangertag“ bezeichnete Fest gibt es bereits seit Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Prozession gehörte anfangs nicht zu den Feierlichkeiten des Fronleichnamsfestes. Ihren Höhepunkt an festlicher Gestaltung erreichte die Fronleichnamsprozession im 17. und 18. Jahrhundert Im Zeitalter der Aufklärung wurde die Fronleichnamsprozession einmal mehr kritisiert. Angemahnt wurde unter anderem das massenhafte Abholzen von Birken, das Abschießen von Salven und der nun als übertrieben empfundene Pomp. Im Kurfürstentum Bayern wurden 1781 Maskierungen und lebende Bilder bei Fronleichnamsprozessionen verboten, wenig später untersagte man das Schießen. In Steinberg schießen die Böllerschützen der SG-Auerhahn weiterhin ihre Salven. In Preußen wurde im 19. Jahrhundert an verschiedenen Orten die Fronleichnamsprozession zu einer bewussten Protesthaltung der römisch-katholischen Bevölkerung gegenüber der preußischen Politik. Während der Zeit des Nationalsozialismuss wurde die Fronleichnamsprozession von vielen als Demonstration ihres Glaubens gegen die nationalsozialistische Gedankenwelt und die Diktatur verstanden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwanden der „pompöse“ Auftritt und die konfessionelle Polemik. Die Auffassungen der Konfessionen näherten sich in verschiedenen Fragen des Glaubens einander an. Heute ist das Fronleichnamsfest ein Bekenntnis christlicher Positionen gegenüber einer Öffentlichkeit, die dem Religiösen und Kirchlichen zunehmend fremd oder ablehnend gegenübersteht.

Die Vereine mit ihren Fahnenabordnungen sind traditionell fester Bestandteil der Prozession.

Die Vereine mit ihren Fahnenabordnungen sind traditionell fester Bestandteil der Prozession.








