
Beim parlamentarischen Frühstück im Europäischen Parlament in Straßburg stand in dieser Woche ein Thema im Mittelpunkt, das viele Menschen in der Oberpfalz und ganz Ostbayern bewegt: der Umgang mit dem Fischotter und die Zukunft unserer traditionellen Teichwirtschaft. Gemeinsam mit Vertretern aus Landwirtschaft, Fischerei und Politik hat der Oberpfälzer Europaabgeordnete Christian Doleschal darüber diskutiert, wie endlich praktikable und rechtssichere Lösungen möglich werden können.
Mit dabei waren auch der Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern Axel Bartelt sowie der Vizepräsident der Berufsfischer Alfred Stier, die die Situation der betroffenen Teichwirte und Fischereibetriebe aus erster Hand schilderten. „Ich komme selbst aus dem Landkreis Tirschenreuth – dem Land der tausend Teiche. Gerade bei uns in der Oberpfalz spürt man, wie stark der Druck auf unsere Teichwirtschaft inzwischen geworden ist. Viele Betriebe kämpfen längst nicht mehr nur mit einzelnen Schäden, sondern mit echten Existenzfragen“, so Doleschal.
Der Fischotter steht europaweit unter dem strengem Schutz der FFH-Richtlinie. Gleichzeitig hat sich der Bestand insbesondere in Teilen der Oberpfalz, Niederbayerns und Oberfrankens in den vergangenen Jahren massiv erholt. Für viele Teichwirte bedeutet das enorme Schäden. Allein in Bayern wurden zuletzt Schäden in Millionenhöhe gemeldet. Besonders betroffen ist die Oberpfalz. Die traditionelle Karpfenteichwirtschaft prägt seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft und Identität der Region und wurde als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt.
„Die Diskussion in Straßburg hat deutlich gezeigt: Bayern hat längst geliefert“, betonte Doleschal. Mit Beratung, Präventionsmaßnahmen, Ausgleichszahlungen und einem eigenen Fischottermanagementplan habe der Freistaat versucht, innerhalb des bestehenden Rechts Lösungen für die betroffenen Regionen zu schaffen. Auch die Fischotterverordnung sei ein ernsthafter Versuch gewesen, den berechtigten Interessen der Teichwirte Rechnung zu tragen.
„Das eigentliche Herausforderung liegt aber auf europäischer Ebene“, stellte Doleschal klar. Die bayerischen Regelungen scheiterten immer wieder an den extrem engen unionsrechtlichen Vorgaben. Mehrere Gerichtsentscheidungen hätten zuletzt bestätigt, dass der derzeitige Schutzstatus des Fischotters kaum Spielraum für ein wirksames Entnahme-Management lasse. „Die Gerichte stellen die Schäden ausdrücklich nicht infrage. Aber sie machen deutlich, dass die europarechtlichen Hürden derzeit so hoch sind, dass praktikable Lösungen kaum möglich sind“, so Doleschal.
Deshalb brauche es jetzt endlich einen Lösungsansatz aus Brüssel. „Wenn sich Populationen regional deutlich erholt haben und traditionelle Wirtschaftsformen massiv unter Druck geraten, dann muss Europa darauf reagieren können. Artenschutz darf nicht dazu führen, dass diejenigen im Stich gelassen werden, die seit Generationen unsere Kulturlandschaften erhalten und pflegen.“
Axel Bartelt, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern ergänzt: „Für die Teichwirte und Angler in Bayern entwickelt sich die Fischottersituation dramatisch, deshalb brauchen wir Hilfe auf europäischer Ebene. Wir sind dankbar für die guten Gespräch mit den Parlamentariern und sind uns einig, dass es dringend Änderungen am Schutzstatus des Fischotters braucht – so wie es beim Wolf bereits gelungen ist. Wir haben vereinbart im Herbst gemeinsam mit Betroffenen aus Österreich und Tschechien erneut zu Gesprächen nach Brüssel zu reisen, um den nun begonnenen Dialog auszubauen und fortzusetzen .“
Gemeinsam mit seinen Kollegen Norbert Lins, Stefan Köhler und Oliver Schenk setzt sich Doleschal deshalb dafür ein, dass regionale Unterschiede künftig stärker berücksichtigt und der Schutzstatus auf europäischer Ebene überprüft werden. Ziel müsse ein modernes und praxistaugliches Wildtiermanagement sein, das Artenschutz und die Zukunft der heimischen Teichwirtschaft zusammen denkt.
„Gerade die Oberpfalz zeigt, worum es geht: um Heimat, regionale Wertschöpfung und um die Frage, ob Europa die Realität vor Ort ernst nimmt. Starkes Europa heißt für mich auch: starke Regionen und eine Politik, die nah an den Menschen bleibt“, erklärte Doleschal abschließend.








