
Denkt man an Neunburg, denkt man unweigerlich neben der Burg auch an das historische Freilichtspiel „Vom „Hussenkrieg“, welches seit 1983 Jahr für Jahr im Burghof stattfindet und deshalb untrennbar mit der Pfalzgrafenstadt verbunden ist. Zum 41. Male wird es heuer vom 4. – 25. Juli aufgeführt, erstmals mit deutlichen Veränderungen, so Manuel Winkler, der Vorsitzende des Festspielvereins bei einem Pressegespräch am vergangenen Samstag zusammen mit seinem Stellvertreter Matthias Eckl-Binder, dem Spielleiter-Team Jürgen Hoffmann und Ivonne Brandl sowie den Regisseurinnen Karin Michl und Verena Hergl. Doch blicken wir zum besseren Verständnis zuerst kurz zurück auf die jüngere Geschichte des Festspiels. Geschrieben wurde die Urversion von Autor Peter Klewitz, der vor 12 Jahren verstarb. Nun soll es durch eine vom Festspielverein selbst geschriebene neue Version ersetzt werden, was vor rund 1 ½ Jahren gar nicht möglich schien, als der Stadtrat im Oktober 2024 beschloss, das Festspiel aus finanziellen Gründen im Jahr 2026 auszusetzen und ab 2027 nur noch im Zwei-Jahres-Rhythmus aufzuführen.

Stadtrat mach eine Kehrtwende
Doch dann kam Ende März 2025 glücklicherweise die Kehrtwende, mit 10 : 6 Stimmen entschied der Stadtrat, den Hussenkrieg weiterhin jährlich aufzuführen. Der Festspielverein und die Stadt als Träger beschlossen dann im Juli 2025 gemeinsam, ab 2026 ein vom Autor Jürgen von Bülow aus Stuttgart geschriebenes neues Stück im Schlosshof zu präsentieren. Mitte November 2025 wurde die erste Version des Textbuches im Pfarrheim öffentlich vorgestellt. Doch die Zusammenarbeit währte nicht lange, den bereits Anfang Februar dieses Jahres informierte Vorsitzender Manuel Winkler den Stadtrat, dass die Zusammenarbeit mit von Bülow gescheitert und eine Arbeitsgruppe gegründet worden sei, die das Stück in zahlreichen Besprechungen, bei denen jeder seine Ideen einbringen kann, neu überarbeiten werde. „Wir haben die Geschichte nicht geändert“, so Manuel Winkler bei dem Pressegespräch, „aber das Stück quasi komplett von links nach rechts gedreht“.

Hinrichtung von Jan Hus löst Hussitenkriege aus
Das Stück beginnt mit der Verurteilung und Hinrichtung des böhmischen Reformators Jan Hus. Auf dem Konzil von Konstanz am 06.07.1415 wurde er als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wobei auf Wunsch von Regisseurin Karin Michl die Verbrennung bei lebendigem Leibe selbst nicht gezeigt werden soll. Dadurch wurden Konflikte entfacht, die in blutigen Kreuzzügen und schließlich den Hussitenkriegen mündeten. Das Stück wird dann 18 Jahr später im Jahr 1433 fortgesetzt. Die Hussiten fallen erneut in die heutige Oberpfalz ein und plündern Vieh sowie Vorräte, weil ihnen bei der Belagerung der katholisch geprägten tschechischen Stadt Pilsen langsam der Proviant ausgeht. Der Wittelsbacher Pfalzgraf Johann steht vor der folgenschweren Entscheidung, lässt er die Angreifer mit ihrer Beute ziehen oder greift er ein. Bekanntermaßen versuchte er den räuberischen Truppen Einhalt zu gebieten und schickte ein Heer aus Rittern, Bürgern und Bauern in die Schlacht bei Hiltersried, das gegen die überlegenen Hussiten siegte – die einzige größere Kampfhandlung, bei der die Hussiten geschlagen wurden.

Stück gegen Krieg und für mehr Menschlichkeit
Mehr Raum soll in dem Stück der Einfluss und die Auswirkungen des Krieges auf die Neunburger Bürger erhalten, so die Verantwortlichen, auch auf die Beweggründe und den Antrieb der Hussiten für ihre Angriffe wird stärker eingegangen Sie waren nicht nur Anführer und Befehlsempfänger, sondern auch Menschen. Man soll sowohl die Neunburger Bürger als auch die Hussiten verstehen, so der Wunsch des Festspielvereins. Wichtig ist den Verantwortlichen die Feststellung, dass das Stück nicht nur ein Festspiel sei, sondern ein eindringliches Plädoyer gegen Krieg, für mehr Menschlichkeit und Verständigung. Das Ende sei ähnlich, wie bei den bisherigen Aufführungen, eine Seite hat etwas mehr verloren, die andere etwas weniger, trotzdem gibt es keinen Gewinner, sondern nur Verlierer.
Ritter Tristram Zenger verändert sich
Die Proben laufen seit März, wobei sich laut Michl ein sehr rasantes, kurzatmiges und hoch intensives Stück mit weniger Pausen als zuvor abzeichnet. Man wolle deshalb versuchen, für das Publikum etwas mehr Zeit zum „Verschnaufen“ und zum Luft holen einzubauen. Verzichtet wird auf die in den vorangegangenen Festspielen etwas verwirrende Darstellung der Handlung in zwei verschiedenen Zeitebenen (1433 und 1456), es gibt nur einen Zeitsprung von der Hinrichtung Jahn Hus im Jahr 1415 auf die Schlacht bei Hiltersried im Jahr 1433. Als erklärender Erzähler fungiert die Figur des Ott Ostmann, oberpfälzischer Dichter und Teilnehmer der Schlacht bei Hiltersried. Verändern wird sich auf Wunsch von Regisseurin Karin Michl auch die Figur des Hauptdarstellers Ritter Tristram Zenger, um den Besuchern was Neues zu zeigen. Insgesamt werden rund 120 Schauspieler in das Stück eingebunden.
Informationen:
Termine: 04., 10., 18., 24. und 25. Juli 2026,
Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr
Tickets: Kartenvorverkauf online über okticket.de sowie über alle VVK -Stellen von okticket.
Vorverkauf Neunburg: Buchhandlung am Tor und Büro- und Pressezentrum
Abendkasse: geöffnet ab 19 Uhr
Preise Erwachsene: 20 € Abendkasse und 19 € im Vorverkauf
Preise Kinder/Jugend bis 17 Jahre: 12 € Abendkasse und 11 € Vorverkauf
Vorprogramm: Burggasterey mit Musik und Tanz
Mittelaltermarkt vom 31. Juli bis 2. August.
Schirmherr: wird erst nach dem Schirmherrnbitten am 22. Mai bekanntgegeben.








