Dienstag, 8. September 2026

Ein paar Tropfen auf der trockenen Erde

So wehren sich Kartoffelanbauer gegen Trockenheit

Theresia Addokwei vom AELF (m.) im Gespräch mit Landwirt Simon Obermeier. Fotos: Armin Hofbauer

Das 2026 war ein verheerendes Jahr für die Kartoffel. Doch welche Strategien gibt es für die Landwirte, dass die Oberpfalz Kartoffelland bleiben kann? Dies zeigte sich bei einer Führung durch den Landessortenversuch des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regensburg-Schwandorf auf dem Schanderlhof in Stulln.

Karpfenteiche dienen als Wasserspeicher

Wenn das Wasser nicht vom Himmel kommt, dann versucht der Landwirt es, anderweitig der Kartoffel zur Verfügung zu stellen. In der Donauebene wird es aufgrund des hohen Grundwasserspiegels aus dem Boden genommen, doch in den Lagen des Landkreises Schwandorf ist dies nicht möglich. Hier gibt es, wie auf dem Schanderlhof von Landwirt Simon Obermeier, auf manchen Betrieben, Karpfenteiche. „Wir bewässern auf die altmodische Weise mit einem Großflächenregner aus unseren Karpfenteich heraus“, erklärt Landwirt Obermeier. Dabei handele es sich um so genannte Himmelweiher, die keinen natürlichen Zulauf haben und sich besonders über den Winter durch die Niederschläge auffüllen und dann den ganzen Sommer herhalten müssen. Obermeier hat hier gegenüber anderen Landwirten einen großen Vorteil. Nur etwa 20 Prozent der Kartoffelanbauer haben die Möglichkeit zu bewässern, schätzt Theresia Addokwei, Leiterin des Sachgebiets Landnutzung am AELF Regensburg-Schwandorf. Auch Obermeier kann je nach Lage der Felder nur ein Drittel seiner Kartoffelflächen bewässern. Und mit dem Wasser muss er gut haushalten. „Noch bevor wir mit dem Bewässern begonnen haben, ist der Wasserstand allein aufgrund der Trockenheit um etwa einen Meter abgesunken“, so Obermeier.

Bewässerung sichert Qualität ab

Hinzukommt, dass ja auch noch genügend Wasser für die darin befindlichen Karpfen übrigbleiben muss. „Wir führen eigentlich mehr eine Erhaltungsbewässerung durch. Wir bewässern in der Zeit, wo es kein Wasser gibt in der Hoffnung, dass wir so die Kartoffel möglichst vital halten können, bis der nächste Regen kommt.“ Den Regen können sie also nicht ersetzen, nur der Kartoffel etwas helfen. Zweimal haben die Obermeiers heuer beregnet. Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre sind sie überzeugt: Sowohl beim Ertrag als auch bei der Qualität trägt es Früchte. Dies bestätigt auch der Landessortenversuch auf dem Betrieb Obermeier. Dort werden sechs Chipskartoffelsorten einmal mit und einmal ohne Bewässerung verglichen. Die Ergebnisse der letzten Jahre (von heuer liegen sie noch nicht vor) sprechen ein eindeutiges Bild, wie Addokwei, vom AELF Regensburg-Schwandorf erklärt: „Der Anteil der Marktware, also die Qualität der Kartoffeln des Chipssortiments, ist deutlich gestiegen. Mindestens fünf bis 10 Prozent. Bei den Chips ist die Qualität entscheidend, weil die Landwirte danach bezahlt werden.“ Doch Beregnung ist nicht gleich Beregnung: „Wir haben Sorten wie die Gala, die danken einem die Bewässerung mehr als andere“, erklärt Obermeier.

Die Sorte macht den Unterschied

Wie sehr es auf die Sorten ankommt, das war heuer wieder auf dem Landessortenversuch zu sehen. Landessortenversuche sind amtliche Pflanzenbauversuche, bei denen die bayerische Landwirtschaftsverwaltung an verschiedenen Standorten in Bayern Sorten statistisch gesichert prüft und vergleicht. So führte Addokwei vom AELF die interessierten Kartoffelanbauer an einzelnen Parzellen von Kartoffeldämmen vorbei, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ist an der einen das Kartoffelkraut schon welk oder gar abgestorben, steht die andere noch in saftigem Grün da. „Jede Sorte bringt andere Eigenschaften mit und wir beobachten diese auf statistisch abgesicherter Grundlage“, so Addokwei. Über die Jahre ergebe sich dann ein Bild, welche Sorten unter welchen Bedingungen die vielversprechendsten sind. „Je nach Sorte kann der Ertrag sich um bis zu zwanzig Prozent auseinander liegen.“ Welche Sorte heuer die Nase vorne hatte, wird sich erst nach der Rodung des Versuchs zeigen. Im letzten Jahr waren es in Stulln Lilly, Merle und Ina.

Die Kartoffelernte fällt heuer mager aus.

Das Wetter machte es heuer der Kartoffel schwer

Das Jahr 2026 war bisher sehr heiß und vor allem trocken. Das ist schlecht für die Kartoffel, die als flachwurzelnde Pflanze sehr empfindlich auf eine geringe Bodenfeuchte reagiert. Im Vergleich zum langjährigen Mittel regnete es mit 260 l/Quadratmeter 137 l/Quadratmeter oder 35 Prozent weniger. Hinzukommt, dass die Niederschlagsmenge von Ort zu Ort stark variierte, so dass es in manchen Gegenden des Landkreises zu noch geringeren Niederschlagsmengen gekommen ist. Die ziemlich hohen Temperaturen machten es nicht besser. Der monatliche Mittelwert lag bis jetzt im Jahr 2026 mit 9,6 Grad Celsius um 1,2 Grad Celsius höher als das langjährige Mittel.

Was sind Landessortenversuche?

Landessortenversuche sind amtliche Pflanzenbauversuche, bei denen die bayerische Landwirtschaftsverwaltung an verschiedenen Standorten in Bayern Sorten prüft. Neben einem Kernsortiment, das an allen Standorten untersucht wird, gibt es die sogenannten Anhänge, in die auf die Besonderheiten in den jeweiligen Anbauregionen eingegangen wird. Die Ergebnisse werden bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gesammelt.

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