
Fotos: Ulrike Pelikan
BURGLENGENFELD. Unter den Fahnen Deutschlands und Frankreichs sowie bayerischen Rauten und heraldischen französischen Lilien kamen in Pithiviers Gäste aus beiden Ländern zusammen, um 50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Burglengenfeld und der französischen Partnerstadt zu feiern. Rund um Christi Himmelfahrt war die Delegation aus der Oberpfalz nach Frankreich gereist – angeführt vom neuen Burglengenfelder Bürgermeister Martin Antretter und zweiten Bürgermeister Sebastian Bösl.
Neben dem offiziellen Festakt stand auch ein Besuch im Rathaus von Pithiviers auf dem Programm. Vor allem aber wurde an diesen Tagen deutlich, wie eng die Verbindung zwischen beiden Städten über Jahrzehnte gewachsen ist und wie lebendig die deutsch-französische Freundschaft bis heute geblieben ist.
„Selten wird Geschichte so greifbar wie an diesem Tag“, sagte Antretter in seiner Ansprache. Gerade in einer Zeit voller Krisen und Unsicherheiten seien solche Begegnungen von unschätzbarem Wert: „Es sind diese Verbindungen, die ein gelebtes Bekenntnis zu Europa und zur Freundschaft unserer Völker darstellen.“ Zugleich gratulierte der Burglengenfelder Rathauschef seinem französischen Amtskollegen Maxime Buizard zur jüngsten Wahl ins Bürgermeisteramt.
Buizard wiederum unterstrich die Bedeutung kommunaler Partnerschaften für das europäische Miteinander. „Europa entsteht nicht in den Büros der Hauptstädte, sondern vor Ort durch die Hände, die wir uns reichen“, sagte der neue Bürgermeister von Pithiviers. Als sichtbares Zeichen seines Willens, die Verbindung weiterzuführen, überreichte er Martin Antretter die Medaille der Stadt Pithiviers.

Großer Empfang für die deutschen Gäste in der Partnerstadt von Burglengenfeld.

Erstes Treffen der beiden neuen Bürgermeister Martin Antretter und Maxime Buizard.
Der rund dreistündige Festakt stand ganz im Zeichen der gewachsenen deutsch-französischen Freundschaft. Immer wieder erinnerten die Redner – kompetent übersetzt ins Deutsche von Eike Franke – daran, dass die Partnerschaft aus einer Zeit heraus entstanden war, in der die Wunden der europäischen Geschichte noch deutlich spürbar waren. Ernst Singer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft mit Pithiviers, erinnerte in bewegenden Worten an die deutsch-französischen Kriege der Neuzeit und daran, welch großer Schritt die Versöhnung zwischen beiden Nationen gewesen sei. Städtepartnerschaften wie jene zwischen Burglengenfeld und Pithiviers seien deshalb niemals selbstverständlich, sondern Ausdruck eines friedlichen Europas, das von den Menschen getragen werde.
Auch Serge Decobert, der auf französischer Seite die Partnerschaft organisiert, blickte auf die Geschichte der Verbindung zurück. In einem kurzen Abriss erinnerte er an die vielen Menschen, die die Freundschaft über Jahrzehnte begleitet und geprägt hatten – von den Unterzeichnern der ersten Partnerschaftsurkunde bis zu den Familien, Vereinen und Ehrenamtlichen, die den Austausch lebendig hielten.
Besonders emotional wurde der Nachmittag durch den Besuch von Marie-Thérèse Bonneau. Die Ehefrau jenes damaligen Bürgermeisters, der vor 50 Jahren die Original-Partnerschaftsurkunde mitunterzeichnet hatte, war als Ehrengast zur Feier gekommen. Ihre Anwesenheit schlug symbolisch die Brücke zwischen den Anfängen der Partnerschaft und ihrer Zukunft.
Ein wichtiges Zeichen für diese Zukunft setzte auch die junge Generation. Erstmals seit vielen Jahren war wieder eine Schülergruppe des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Teil der offiziellen Delegation und für die Zeit ihres Aufenthaltes in Gastfamilien untergebracht worden. Zwölf Schülerinnen reisten gemeinsam mit ihren Lehrkräften Kristina Weitzer und Stefanie Paul nach Frankreich. Beim Festakt präsentierten sie den Gästen auf Französisch kurzweilige Referate über Frankreich sowie insbesondere über Burglengenfeld und Pithiviers – und ernteten dafür viel Applaus. Für viele Teilnehmer war gerade dies ein besonders hoffnungsvolles Signal: Dass die Städtepartnerschaft auch von jungen Menschen wieder aktiv gelebt werden wird und kann.
Denn dass die Verbindung zwischen Burglengenfeld und Pithiviers auch nach einem halben Jahrhundert lebendig geblieben ist, liegt vor allem am Engagement vieler Ehrenamtlicher auf beiden Seiten. Organisiert und getragen wird die Partnerschaft auf deutscher Seite vom Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft mit Pithiviers unter Vorsitz von Ernst Singer, auf französischer Seite von Serge Decobert und seinem Team. Beide Vorsitzende machten keinen Hehl daraus, dass die Zukunft der Städtepartnerschaft zunehmend in den Händen der jüngeren Generation liegt. Nach Jahrzehnten intensiver Arbeit hoffen sie darauf, dass junge Menschen die Idee der deutsch-französischen Freundschaft weitertragen und mit neuem Leben erfüllen.
Und so war der Besuch in Pithiviers weit mehr als eine Jubiläumsfeier: Er wurde zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass Europa dort besonders stark ist, wo Menschen einander begegnen, voneinander lernen und die Hand zur Freundschaft reichen – seit inzwischen 50 Jahren.








