Dienstag, 28. April 2026

Coworking-Projekt startet: Grunwald-Villa wird zum Gemeinschaftsort auf Zeit

In der leerstehenden Grunwald-Villa wird in den nächsten sechs Monaten ein neues Nutzungskonzept erprobt. Foto: Doris Wirth

Die derzeit leerstehende Grunwald-Villa in Hemau wird ab Mai für sechs Monate neu genutzt: Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, dort einen „Gemeinschaftsort mit Coworking-Kern“ zu erproben. Ziel ist es, ein neues Nutzungskonzept für das städtische Gebäude zu testen und herauszufinden, ob sich ein solcher Ort langfristig in Hemau etablieren lässt.

Arbeiten in Gemeinschaft statt allein im Homeoffice

Im Mittelpunkt steht ein sogenannter Coworking-Space, ein gemeinsamer Arbeitsort mit ausgestatteten Arbeitsplätzen. Den Nutzerinnen und Nutzern stehen in der Grunwald-Villa großzügige Schreibtische, ergonomische Stühle, PC-Monitore an mehreren Plätzen sowie stabiles WLAN zur Verfügung. Laptops sind selbst mitzubringen. Ergänzend werden Rückzugsräume für Video-Calls sowie ein Besprechungsraum eingerichtet. In dieser Umgebung können Berufstätige unabhängig voneinander arbeiten, ohne allein im Homeoffice zu sitzen oder täglich pendeln zu müssen.

Die Villa wird immer dienstags von 8:30 bis 17 Uhr für das Coworking geöffnet sein, Starttermin ist der 12. Mai 2026. Für die Reservierung der Arbeitsplätze wird in Kürze ein Online-Buchungsportal zur Verfügung stehen. Während der sechsmonatigen Testphase ist das Angebot für die Nutzenden kostenlos. Außerhalb der Coworking-Zeiten, also insbesondere abends und an Wochenenden, soll die Grunwald-Villa Vereinen, Organisationen und Initiativen als Besprechungs- und Veranstaltungsort zur Verfügung stehen.

Angebot für alle – mit besonderem Fokus

Das Angebot richtet sich grundsätzlich an alle Berufstätigen, legt aber einen besonderen Fokus auf pflegende Angehörige und ehrenamtlich Engagierte. Für sie ist es oft besonders schwierig, Beruf, Familie und Sorgearbeit miteinander zu vereinbaren. Ein wohnortnaher Arbeitsplatz kann hier spürbar entlasten.

Wichtig: Der Coworking-Space ist keine Betreuungs- oder Tagespflegeeinrichtung, sondern ein Arbeitsplatz. Nutzer arbeiten hier selbstständig und eigenverantwortlich. Gerade für Menschen mit Sorgeverantwortung bietet das Angebot die Möglichkeit, Pendelzeiten zu reduzieren, im Bedarfsfall schnell verfügbar zu sein und dennoch in einem professionellen Umfeld zu arbeiten – mit Rückzugsräumen sowie geschützten Bereichen für Austausch und Gespräche.

EU-Förderprojekt

Die sechsmonatige Pilotphase soll zeigen, ob es in Hemau Bedarf für ein solches Angebot gibt und wenn ja, in welcher Form. Gleichzeitig wird geprüft, ob die Grunwald-Villa dafür der geeignete Standort ist oder ob ein solcher „MehrWertOrt“ perspektivisch auch an anderer Stelle im Stadtgebiet entstehen könnte.

Das Projekt wird von der CoWorkLand Genossenschaft umgesetzt und begleitet und ist Teil des europäischen Förderprojekts „ELEVATE“, das neue Ansätze für gemeinschaftliches Arbeiten und Zusammenleben im ländlichen Raum erprobt. Der Modellversuch wird von der EU finanziert und ist für die Stadt Hemau – abgesehen vom Unterhalt des Gebäudes – mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden.

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