
Erzhäuser. Im Jahr 1874 ließ der Land- und Gastwirt Josef Pöll nordöstlich von Erzhäuser eine Ziegelei erbauen. Der Ofen, in dem die Ziegel gebrannt wurden, hatte damals noch keinen Kamin, sondern der Rauch zog über eine Öffnung im Dachfirst ab. Die Feuerung erfolgte mit Holz. Das Forstamt Cham, das zu einer Stellungnahme herangezogen wurde, befürwortete den Bau, da man davon ausging, dass sich der enorme Bedarf an Brennmaterial günstig auf den Holzpreis auswirken würde. Noch bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden neben der einheimischen Bevölkerung auch viele Arbeiter aus Italien beschäftigt, welche zumeist aus der Gegend um Udine stammten, welche bekannt war für ihre fachkundigen Ziegler. Einige Familien wurden dann später sogar sesshaft. Der Transport der Ziegel erfolgte mit Fuhrwerken und ab 1896 auch mit der Eisenbahn, die direkt an der Ziegelei vorbeiführte. Bald wurde die Anlage zu klein und man baute 1898 einen modernen Ringofen, der mit Staubkohle befeuert wurde. Zu dieser Zeit kam mit der Lieferung von Ziegeln für den Bau des Redemptoristenkloster und der Klosterkirche „Maria Hilf“ in Cham auch ein Großauftrag. Zum Bau war eine gewaltige Menge an Ziegelsteinen erforderlich. Damals waren zeitweise bis zu 40 Arbeiter in dem Ziegelwerk beschäftigt. Später wurde eine Dampfmaschine angeschafft und die dazu erforderlichen Gebäude erstellt. Die Ziegelsteine und Dachziegel wurden jetzt nicht mehr von „Hand geschlagen“, sondern maschinell produziert. Man nannte sich jetzt „Dampfziegelei Josef Pöll“. In den 1950er und 1960er Jahren erfolgte eine stete Modernisierung. Die Trocknung der noch feuchten Ziegel war sehr wetterabhängig und man benötigte große überdachte Flächen. 1961 wurde eine Trocknungsanlage gebaut, welche mit leichtem Heizöl befeuert wurde. Auch der Ringofen wurde von Kohle auf Öl umgestellt. 1973 – im Jahr der Ölkrise und einer langen anhaltenden Stagnation auf dem Bausektor war der Betrieb nicht mehr rentabel und musste eingestellt werden, genauso wie bei vielen anderen alten Ziegeleien in der Umgebung, z.B. auch im nur 1 km entfernten Eichentaler Ziegelwerk Fritz Kastenhuber.

Eine Vielzahl solcher alten historischen Fotos und Begebenheiten sind in der Festzeitschrift der FFW Erzhäuser, die anl. des 125jährigen Gründungsjubiläums im letzten Jahr herausgegeben wurde, niedergeschrieben. Bei diesen Beiträgen geht es nicht nur um die Wehr selbst, sondern vor allem um die Geschichte und Geschichten der ehemaligen Gemeinde Erzhäuser mit ihrer bewegten Vergangenheit. Wer noch so eine Festzeitschrift erwerben will, um diese interessanten und zum Teil auch lustigen Geschichten nachzulesen, soll sich mit Randolf Alesch, Tel. 09434/901010, Mobil/WhatsApp 0160/95927589 oder Mail: randolf.alesch@t-online.de in Verbindung setzen.









