Mittwoch, 28. Oktober 2026

Vom Acker zum Teller: 11. Bodentag rückt die Lebensgrundlage Boden in den Fokus 

Johannes Ehrnsperger und Josef Schönhammer bei der Pressekonferenz. Fotos: Fabian Borkner

Neumarkt/Neunburg vorm Wald. Gesunde Lebensmittel entstehen nicht erst im Supermarktregal oder bei der Verarbeitung, sondern dort, wo sie wachsen: im lebendigen Ackerboden. Welche weitreichenden Konsequenzen dieser Zusammenhang für Umwelt, menschliche Gesundheit und Wirtschaft hat, beleuchtet der 11. Bodentag der Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V. (IG) am 19. November 2026 in der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald. Den Auftakt bildete eine hochkarätig besetzte Pressekonferenz bei der Neumarkter Lammsbräu, moderiert von IG-Pressesprecher Josef Schönhammer.

„Gesunde Böden gibt es nicht zum Nulltarif“, stellte Franz Rösl, Vorsitzender der IG gesunder Boden, unmissverständlich klar. Sie bilden das Fundament für sauberes Grundwasser, biologische Vielfalt und nährstoffreiche Nahrungsmittel. Bislang blieben Leistungen für den Humusaufbau und das Bodenmikrobiom auf den Produktpackungen jedoch unsichtbar. Umso wichtiger sei es, die gesamte Wertschätzungskette – vom Boden über Pflanze, Tier und Handel bis hin zum Verbraucher – ganzheitlich zu betrachten und echte Verantwortung zu übernehmen.

Wie eng die Verbindung zwischen Erde und Mensch tatsächlich ist, verdeutlichte die Ärztin und Expertin für Bakterienheilkunde, Dr. Anne Katharina Zschocke. Mikroorganismen seien keineswegs reine Krankheitserreger, sondern unverzichtbare Brückenbauer. Über lebendige Nahrung und Atemluft interagiert das Bodenmikrobiom direkt mit dem menschlichen Organismus, stärkt das Immunsystem und beeinflusst sogar das Nervensystem positiv. Nur auf einem lebendigen Boden kann Nahrung wachsen, die Vitalität schenkt.

Dass Umweltleistungen nicht bloß ideell, sondern auch monetär honoriert werden müssen, unterstrich Johannes Ehrnsperger, Inhaber und Geschäftsführer der Neumarkter Lammsbräu. In seinem Impuls „(K)ein Fass ohne Boden“ forderte er ein Umdenken im Lebensmittelsystem. Der Bio-Pionier geht voran: Mittels der sogenannten Regionalwert-Leistungsrechnung erfasst Lammsbräu die Nachhaltigkeitsleistungen der Partner-Landwirte – etwa für Grundwasserschutz und Biodiversität – und schüttet über einen eigenen Budgettopf jährlich ein Prozent des Brauerei-Umsatzes gezielt als Honorierung an die Betriebe aus.

Auch der Handel trägt hierbei Verantwortung, betonte Lukas Nossol, Kommunikationschef des BioMarkt Verbunds (dennree). Bei Konsumenten brauche es Vertrauen, damit der „Schatz der Nachhaltigkeit“ entlang der Kette erhalten bleibe. Ergänzt wird die Thematik auf der Tagung um zukunftsfähige Waldkonzepte und Dauerwälder, die für regionale Wasserspeicher und Kühlung sorgen.

Der Bodentag am 19. November wird als hybride Veranstaltung mit internationalem Publikum ausgerichtet. Bereits am Vortag, dem 18. November, lädt die IG zum Praxis- und Vernetzungstag mit Arbeitsgruppen und Exkursionen ein. Details und Anmeldung: www.ig-gesunder-boden.de.

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