Dienstag, 14. Juli 2026

Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby: Hebammen sollen künftig fundiert beraten

Gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Feine Räder informierten sich Hebammenstudierende über den sicheren Transport von Säuglingen im Lastenfahrrad. Foto: Simone Zenner

Im Rahmen der Regensburger Radlwochen 2026 veranstaltete die OTH Regensburg gemeinsam mit der Stadt Regensburg und dem Verein Fahrrad & Familie e.V. einen Workshop für Hebammenstudierende im Bachelor- und Masterstudiengang.

Im Mittelpunkt des Workshops standen Fragen, die viele werdende Eltern beschäftigen: Wie lange kann ich während der Schwangerschaft Fahrrad fahren? Ist das für mein Baby gefährlich?  Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Forschungsprojekt „Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby“ des Heidelberger Verkehrsplanungsbüros Verkehr mit Köpfchen untersuchte die Fragen und Herausforderungen junger Familien rund ums Radfahren. Rund 800 Schwangere sowie Eltern von Kindern bis zu einem Jahr wurden befragt. Die Ergebnisse zeigen: Viele Familien wünschen sich fundierte Informationen und wenden sich mit ihren Fragen an Hebammen. Gleichzeitig fehlen bislang häufig wissenschaftlich fundierte Informationen und Fortbildungsangebote zu diesem Thema.

Bewegung statt Schonung

Noch immer hält sich die Vorstellung, Schwangere sollten sich möglichst schonen. Das ist so nicht mehr richtig, wie Verena Stengel, Leiterin des Masterstudiengangs Hebammenwissenschaft der OTH Regensburg, erklärt: „Bewegung fördert während einer gesunden Schwangerschaft langfristig die Gesundheit von Mutter und Kind und wirkt sogar Schwangerschaftskomplikationen entgegen. Radfahren ist dabei eine gute Möglichkeit, sich in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt zu bewegen. Gleichzeitig hilft es, mobil zu bleiben.“

Eine Hebammenstudentin der OTH Regensburg testet mit einem umgebundenen Schwangerschaftsbauch ein Longtail-Lastenfahrrad und erprobt dabei, wie sich das Fahrgefühl während der Schwangerschaft verändert. Foto: Simone Zenner

Im Workshop erhielten die Studierenden wissenschaftlich fundierte Informationen zum Radfahren in Schwangerschaft und früher Elternschaft. Im Praxisteil probierten sie verschiedene Fahrräder und Transportsysteme aus. Mit einem umgeschnallten Schwangerschaftsbauch testeten sie außerdem, wie sich das Fahrgefühl verändert und welche Anpassungen am Fahrrad den Fahrkomfort verbessern können.

Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist Radfahren grundsätzlich bis zum Ende der Schwangerschaft möglich, solange die Belastung moderat bleibt. Als Faustregel gilt: Wer sich während der Fahrt noch problemlos unterhalten kann, überfordert sich in der Regel nicht. Mit wachsendem Bauchumfang können ein höher eingestellter Lenker, ein etwas tiefer und leicht nach vorn geneigter Sattel sowie ein tiefer Einstieg das Radfahren erleichtern.

Keine Belege für Schadstoffbelastung

Auch zur Schadstoffbelastung von Kindern im Fahrradanhänger gibt es bislang keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege. Zwar befinden sich ihre Atemwege näher am Boden, gleichzeitig können sich im Auto – etwa im Stau oder an Ampeln – Abgase im Innenraum anreichern. Eine pauschale Aussage, welches Verkehrsmittel hinsichtlich der Schadstoffbelastung günstiger ist, lässt sich deshalb nicht treffen.

Zum Thema Verkehrssicherheit zeigen die bisherigen Statistiken, dass schwere Verletzungen bei mitgenommenen Kindern extrem selten sind. Wichtig sind – wie bei anderen Verkehrsmitteln auch – ein geeignetes Transportsystem sowie eine angemessene und umsichtige Fahrweise. 

„Viele Eltern verzichten aus Unsicherheit aufs Radfahren – nicht, weil es wissenschaftliche Belege dafür gibt“, sagt Hannah Eberhardt, Referentin und Mitglied des Vereins Fahrrad & Familie e.V. „Wenn Hebammen diese Fragen fundiert beantworten können, gibt das Familien Sicherheit im Alltag.“ 

Der Workshop wurde an der OTH Regensburg erstmals im Rahmen der praxisnahen Lehre durchgeführt. Teilgenommen haben die Abschlusskohorte des Bachelorstudiengangs Hebammenkunde sowie die Masterstudierenden des Studiengangs Hebammenwissenschaft. Welche Impulse der Workshop für die angehenden Hebammen setzte, zeigen die Rückmeldungen der Studierenden: „Ich nehme mit, dass es auf jeden Fall wichtig ist, dass Eltern verschiedene Transportsysteme testen, bevor sie sich entscheiden“, sagt eine Studentin. Eine weitere ergänzt: „Gut zu wissen ist auch, dass Babys in Transporthängematten keinen Fahrradhelm tragen sollen.“ 

Der Workshop wurde durch die SBK finanziell unterstützt. Die Firma Feine Räder stellte die Fahrräder und Transportsysteme zur Verfügung und begleitete die Veranstaltung vor Ort mit fachlicher Beratung. Tipps und wissenschaftlich fundierte Informationen zum Radfahren in der Schwangerschaft sowie mit Baby und Kleinkind bietet die Homepage des Vereins Fahrrad & Familie e.V.. 

Gemeinsam mit Hannah Eberhardt testen Studierende der OTH Regensburg, worauf es beim sicheren Transport von Babys im Fahrradanhänger ankommt. Foto: Barbara Meier
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