
SCHWANDORF. „Eine sichere und stabile Energieversorgung ist entscheidend für die positive Entwicklung des ländlichen Raums“, sagt Martina Englhardt-Kopf (CSU). Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat sich daher zum Fortschritt der Energiewende ausgetauscht mit Dr. Andreas Kießling und Peter Ketterl vom Bayernwerk. Die Vertreter des größten bayerischen Verteilnetzbetreibers erläuterten dabei neben den Investitionen für den Netzausbau in der Oberpfalz auch Herausforderungen beim Bau eines neuen Energiesystems.
Dr. Andreas Kießling ist Leiter Vorstandsbüro und Politik der Bayernwerk AG, Peter Ketterl Leiter Technik Ostbayern der Bayernwerk Netz GmbH. Sie beschrieben die Energiewende im Gespräch mit der Staatssekretärin in Schwandorf als „gewaltigen Transformationsprozess“. Im Grunde genommen werde ein völlig neues Energiesystem entwickelt. Allein in der Oberpfalz stecke die Bayernwerk Netz GmbH in diesem Jahr mehr als eine Viertel Milliarde Euro in den Netzausbau, um das Stromnetz in der Oberpfalz mit Fokus auf die Digitalisierung fit für die Zukunft zu machen. Peter Ketterl betonte dabei, das Bayernwerk beauftrage wann immer es möglich sei Partnerfirmen aus dem Freistaat mit Baumaßnahmen. So bleibe Wertschöpfung in der Region.
Andreas Kießling machte deutlich, dass das Bayernwerk von 2026 bis 2030 rund 12 Milliarden Euro für die bayerische Energiewende aufwende. Damit Projekte schneller ans Netz kämen, brauche es schlankere politische Rahmenbedingungen und weniger Bürokratieaufwand. Beispielhaft nannte Kießling die weitere Standardisierung und Digitalisierung von Genehmigungsverfahren bis hin zur Verfahrensfreiheit, etwa bei Umspannwerken, die dringend nötig seien, um noch mehr Energie aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz einspeisen zu können.
Besonders interessierte sich Martina Englhardt-Kopf für das sogenannte Gartenzaun-Prinzip, mit dem das Bayernwerk Kunden die Nutzung selbst erzeugten Stroms z.B. aus PV-Anlagen leichter machen will. Vereinfacht dargestellt: Vor dem Gartenzaun ist das öffentliche Netz. Innerhalb des Gartenzauns ist die Spielwiese der Kunden. Diese können sich dort energetisch nach ihren Plänen aufstellen und optimieren. Ab dem Gartenzaun aber beginnt mit dem Netzanschlusspunkt das öffentliche Netz mit seinen technischen Spielregeln. Das Gartenzaun-Prinzip schaffe Freiheiten auf Kundenseite, klare Schnittstellen und klare Verantwortlichkeiten im Energiesystem. Denn: „Es macht wenig Sinn, dass in Kundenanlagen regelnd eingegriffen wird, wenn der Kunde diese Energie für sich nutzen kann“, so Kießling, der bei der Staatssekretärin um Unterstützung für das Gartenzaun-Prinzip warb.
Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf sagte, der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien speziell in Ostbayern sorge für den Umbau von einem zentralen, hin zu einem dezentralen Energiesystem. „Das ist gut, das stärkt unsere Resilienz. Das bedeutet aber zugleich, dass wir das Energiesystem vom Kopf auf die Füße stellen müssen.“ Es gelte nun, den weiteren Netzausbau besser mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zu synchronisieren. Sie zeigte sich zudem erfreut, dass das Bayernwerk seit diesem Jahr sogenannte flexible Netzanschlussvereinbarungen für bestehende Biogasanlagen anbiete. Insbesondere Landwirte hätten so die Möglichkeit, die Einspeiseleistung ihrer Anlagen in der Nacht deutlich zu erhöhen, während die Einspeiseleistung tagsüber unberührt bleibe.








