Freitag, 27. März 2026

„Rekordverdächtige“ Gemeinderatssitzung

Ein seltener Anblick, vergangenen Donnertag war der Gemeinderat bei seiner Sitzung in der Hammerseehalle vollzählig. Fotos: Randolf Alesch

Lag es an den Tagesordnungspunkten oder an der Tatsache, dass es eine der letzten Sitzungen des „alten“ Gemeinderates war, bevor im Mai die konstituierende Sitzung des neuen ansteht. Die Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend war schon nahezu denkwürdig und rekordverdächtig, zumindest was die Zahl der teilnehmenden Gemeinderäte als auch der Zuhörer angeht. Zum einen waren alle Gemeinderäte ohne Ausnahme komplett anwesend, ein seltenes Bild. Weiter nahmen so viele Zuhörer an der Sitzung teil, wie schon lange nicht mehr, was sicherlich an der Abstimmung über die künftige Betreuungsform für den ab 2026 gesetzlich vorgeschriebenen Ganztagesunterricht lag. Außerdem fiel auf, dass die Sitzung so harmonisch wie selten verlief, was in Bodenwöhr nicht oft der Fall ist. Bestimmt wurde die Sitzung von der Vorstellung des Wärmeplan-Entwurfes und der bereits angesprochenen, an der Sache orientiert, lebhaft diskutierten Ganztagesbetreuung der Grundschüler. Doch fangen wir von vorne an. 

Derzeit ist die Neunburger Straße in der Weihersiedlung wegen dem Bau eine Bedarfsampelanlage komplett gesperrt. Ab Montag soll sie durch eine Ampel geregelt wieder halbseitig befahrbar sein.

Aufträge für den alten Bahnhof vergeben

Zunächst wurde das Protokoll der letzten Gemeinderatsitzung vom 26.02.2026 einstimmig genehmigt. Anschließend gab Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) vier Beschlüsse aus dem nichtöffentlichen Teil der gleichen Sitzung bekannt. Für die Sanierung des alten Bahnhofes in Blechhammer wurden folgende Aufträge vergeben: Die Innentüren wurden für einen Angebotspreis von rund 45.000 Euro an die Bau- und Möbelschreinerei Kreuzer & Sohn aus Schönsee vergeben. Die Bodenbelagsarbeiten werden für 30.000 Euro von der Fa. Brandl Innenausbau GmbH aus Kelheim ausgeführt. Den Auftrag für die Fliesenarbeiten erhielt die Fa. Fliesen Walter GmbH aus Nittenau zum Angebotspreis von rund 70.000 Euro. Last but not least werden die Malerarbeiten für rund 21.500 Euro von der ortsansässigen Firma Schmied Maler e.K. ausgeführt. Eher formeller Art war der erneute Beschluss über die geplante Kreditermächtigung für das Jahr 2026 in Höhe von ursprünglich 2.750.000 Euro, die von der Rechtsaufsicht abgelehnt worden war. Da noch nicht ausgeschöpfte Kreditermächtigungen in Höhe von 61.900 Euro aus dem Jahr 2024 vorhanden sind, wurde der Betrag gegen die Stimmen von Albert Krieger, Verena Obermeier und Stefan Fritsch (FW) auf 2.688.100 Euro reduziert.

Wärmeplanung zugestimmt

Ausführlich stellte dann Ingenieur Martin Gonschorek vom Institut für Energietechnik (IfE) aus Amberg den Entwurf des Wärmeplans für Bodenwöhr vor. Lt. Wärmeplanungsgesetz (WPG) haben Kommunen unter 100.000 Einwohner bis zum 30.06.2028 einen Wärmeplan zu erarbeiten. Dieser entfalte aber noch keine Außenwirkung und begründet keinen Rechtsanspruch auf Umsetzung. Mit dem Wärmeplan soll die Ist-Situation dargestellt, Möglichkeiten und Potentiale der Wärmeversorgung herausgearbeitet und Umsetzungen abgeleitet werden. In Bodenwöhr werden rund 45% des Wärmeverbrauchs durch Erdöl, 26% durch Erdgas, 23% durch feste Biomasse und der Rest durch Flüssiggas, Strom und Umweltwärme, jeweils ca. 2%, abgedeckt. Größeres Potential zur umweltfreundlichen Energiegewinnung bestünde durch den Ausbau von PV-Anlagen auf Frei- und Dachflächen, Biogas und Industrie-Abwärme, so Gonschorek. Andere Möglichkeiten, wie Biomasse, Geothermie, Fluss- und Seewasser, Uferfiltrat, Windkraft oder Abwässer böten dagegen wenig Potential. Mit dem neuen Blockheizwerk auf dem Schulgelände, dem Energiedorf Neuenschwand und der bestehenden Biogas-Anlage Fritsch in Warmersdorf tut sich bereits etwas, so Gonschorek. Einstimmig wurde dem Wärmeplan zugestimmt.

In Bodenwöhr werden rund 45% des Wärmeverbrauchs durch Erdöl, 26% durch Erdgas, 23% durch feste Biomasse und der Rest durch Flüssiggas, Strom und Umweltwärme, jeweils ca. 2%, abgedeckt.
Potential zur umweltfreundlichen Energiegewinnung haben PV-Anlagen auf Frei- und Dachflächen, Biogas und Industrie-Abwärme – Biomasse, Geothermie, Fluss- und Seewasser, Uferfiltrat, Windkraft oder Abwässer dagegen nicht.

Ab dem Schuljahr 2026/27 nur noch Kinderhort

Ab dem 01.08.2026 wird in Deutschland schrittweise der Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung der Grundschüler eingeführt. Hierzu hat der Gemeinderat bereits am 30. April vergangenen Jahres beschlossen, die alte Hauptschule für geschätzte 6 Millionen Euro in ein Kinderhaus umzubauen. In Bodenwöhr werden zur Betreuung der Grundschüler derzeit zwei Modelle angeboten: 50 Kinder sind im Kinderhort „Die wilden Adler“ und 35 in einer offenen Ganztagesschule (OGS). Ab dem kommenden Schuljahr soll nur noch eine Betreuungsform angeboten werden. Aus pädagogischer Sicht wäre der Hort das wertvollere Modell, da sich das Personal nicht nur um die Aufsicht kümmert, sondern auch bei den Hausaufgaben und Problemen unterstützt. Außerdem werden flexiblere Betreuungszeiten angeboten. Bei einer OGS liegt der Fokus dagegen auf der reinen Aufsicht der Kinder. Deshalb schlagen die Ganztageskoordinatorin Karin Simmeth und die Schulleitung den Kinderhort zur Betreuung der Schulkinder vor. Der Elternbeirat des Kinderhorts „Die wilden Adler“ hat dazu sogar eine Petition mit 268 Unterschriften eingereicht, so Hoffmann in seinem Sachvortrag. Nach längerer Diskussion wurde einstimmig der Hort mit einer Mindestbuchungszeit von 3-4 Stunden beschlossen.

Die alte Hauptschule soll für die Ganztagesbetreuung in ein Kinderhaus für Hort und Kindergarten Pusteblume umgebaut werden.

Alexander Beer und Daniel Roith als Kommandanten bestätigt

Die nächsten beiden Tagesordnungspunkte hatten wieder eher formellen Charakter. Bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Taxöldern wurde Alexander Beer als 1. Kommandant und Daniel Roith als 2. Kommandant gewählt. Gemäß den Statuten des Bayerischen Feuerwehrgesetzes bedürfen die gewählten Kommandanten einer Bestätigung durch die Gemeinde im Benehmen mit dem Kreisbrandrat. Hierfür ist der Gemeinderat zuständig. Einstimmig wurden Beer und Roith in ihren Ämtern bestätigt.

Ortsstraßen in zwei neuen Baugebieten getauft

Vor wenigen Wochen hat die Baufirma Dankerl aus Wilmering damit begonnen, die beiden Baugebiete „Wohnen in der Schwandner Höhe“ in Altenschwand und „Wohnen in der Ziegelzell“ in Taxöldern zu erschließen. Beide Straßen, die durch die Baugebiete führen, sind im bzw. gehen in das Eigentum der Gemeinde samt Unterhaltspflicht über und müssen einen Namen erhalten. Einstimmig wurde beschlossen, dass die Ortsstraße im Baugebiet „Wohnen in der Schwandner Höhe“ nach dem Altenschwandner Unternehmer Christoph Fritsch benannt und im anderen Baugebiet auf Wunsch vieler Taxölderner Bürger auf „In der Ziegelzell“ getauft wird.

Spielplatz in Taxöldern erhält Baumturm mit Röhrenrutsche

Beim vorletzten Tagesordnungspunkt ging es um den bestehenden Kinderspielplatz in Taxöldern, der im Rahmen der Erschließung des Baugebietes „Ziegelzell“ erneuert werden soll. Ähnlich wie in Altenschwand, Pingarten, Windmais und Neuenschwand, wurden die Eltern und Kinder in die Neugestaltung eingebunden und gebeten, Vorschläge zu machen. Die besten Ergebnisse wurden an die Spielplatzhersteller Maier Spielgeräte und Eibe Spielgeräte übermittelt, damit diese Spielplatzvarianten kreieren konnten. Als Ergebnis sprachen sich die Eltern und Kinder eindeutig für den Spielturm der Firma Eibe in Form eines alten Baumes mit vielen Klettermöglichkeiten, Röhrenrutsche und sonstigen Spielgeräten aus. Diesem Wunsch kam der Gemeinderat gerne einstimmig nach.

Auf dem Spielplatz in Taxöldern soll auf Wunsch der Eltern und Kinder ein Spielturm der Firma Eibe in Form eines alten Baumes mit vielen Klettermöglichkeiten, Röhrenrutsche und sonstigen Spielgeräten errichtet werden.

Baustelle Neunburger Straße noch bis zu den Sommerferien

Beim letzten Tagesordnungspunkt „Informationen des Bürgermeisters“ teilte Hoffmann auf Nachfrage von Christian Lutter mit, dass ab Montag die Neunburger Straße durch Ampeln geregelt wieder halbseitig befahrbar wäre. Der überörtliche Verkehr, insbesondere der Schwerverkehr, wird nach wie vor über die Kreisstraße SAD 14 und die B85 umgeleitet. Die Baustelle werde noch bis zu den großen Ferien andauern. Verena Obermeier (FW) wollte wissen, ob die Gemeinde bereits aus dem Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ geflogen sei. Noch nicht, meinte Hoffmann, das Programm sei aber 10fach überzeichnet, so dass die Chancen für eine Förderung gering seien.

Zahlreiche Zuhörer verfolgten am Donnerstagabend die Gemeinderatssitzung in der Hammerseehalle.
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