
Bald könnte neues Leben in die derzeit leerstehende Grunwald-Villa in Hemau einziehen. Im Rahmen der „Sorgenden Stadt Hemau“ soll dort für zunächst sechs Monate ein Coworking-Projekt erprobt werden mit dem Ziel, Berufstätige mit Sorgeverantwortung zu entlasten und neue Formen des Miteinanders zu ermöglichen. Bei einer gut besuchten öffentlichen Informationsveranstaltung wurde das Konzept nun vorgestellt und mit den Teilnehmenden diskutiert.
Arbeiten in Gemeinschaft
Ein Coworking-Space ist ein voll ausgestatteter Arbeitsort, an dem Berufstätige unabhängig voneinander arbeiten können. Freiberufler oder Angestellte, die zuhause keine geeignete Homeoffice-Möglichkeit haben, nicht dauerhaft allein im Homeoffice arbeiten möchten oder lange Pendelwege vermeiden wollen, können sich dort flexibel Arbeitsplätze buchen.
Allein in Bayern gibt es inzwischen rund 300 solcher Angebote – nicht nur in Großstädten, sondern zunehmend auch im ländlichen Raum. Der innovative Ansatz in Hemau: In der Grunwald-Villa sollen insbesondere Menschen mit Sorgeverantwortung einen wohnortnahen Arbeitsplatz finden und dennoch schnell verfügbar sein, wenn im Alltag Unterstützung gefragt ist, etwa bei der Pflege von Angehörigen oder der Betreuung von Kindern.
Mehr als ein Arbeitsplatz: Perspektive „MehrWertOrt“
Das Projekt ist jedoch bewusst breiter angelegt. Neben dem Coworking sollen auch Vereine und Initiativen aus Hemau und der Region die Räume nutzen können. Ziel ist es, die Grunwald-Villa schrittweise zu einem sogenannten „MehrWertOrt“ zu entwickeln – einem Ort, der Arbeiten, Begegnung und gemeinschaftliche Aktivitäten verbindet. Geplant ist, die Villa zunächst an festen Coworking-Tagen zu öffnen und darüber hinaus für Veranstaltungen, Projekte und weitere Nutzungsformen zugänglich zu machen. Das Angebot soll grundsätzlich allen Interessierten offenstehen und nicht ausschließlich auf Menschen mit Sorgeverantwortung beschränkt sein.
Die konkrete Ausgestaltung ist dabei noch offen. Der Modellversuch dient dazu, Bedarfe vor Ort zu ermitteln, passende Angebote zu entwickeln und herauszufinden, ob ein Coworking-Space langfristig in Hemau etabliert werden kann. „Es ist eine einmalige Gelegenheit für Hemau, mit vergleichsweise geringem Aufwand Neues auszuprobieren, Netzwerke zu schaffen und Erfahrungen zu sammeln“, betonte Bürgermeister Herbert Tischhöfer. „Und wenn sich zeigt, dass andere Lösungen besser passen, ist auch das ein wertvolles Ergebnis.“
Diskussion zeigt großes Interesse – und offene Fragen
Rund 30 Interessierte waren zur Veranstaltung in die Grunwald-Villa gekommen. In einer lebhaften Diskussion wurden erste Bedarfe deutlich, zugleich wurden auch kritische Fragen gestellt. Dabei ging es unter anderem um die konkrete Ausgestaltung der Angebote, mögliche Nutzungskonzepte sowie die Einbindung von Arbeitgebern.
Der Modellversuch soll helfen, zentrale Fragen zu klären: Welche Angebote unterstützen sorgende Angehörige tatsächlich? Unter welchen Bedingungen beteiligen sich Arbeitgeber? Und welchen Beitrag kann ein solcher Ort zur Stärkung von Gemeinschaft und Inklusion in der Region leisten?
Das Vorhaben ist eingebettet in das Projekt „Sorgende Stadt Hemau“, mit dem die Stadt auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung reagiert. Der auf sechs Monate angelegte Modellversuch wird im Rahmen des EU-Förderprojekts „ELEVATE“ zur inklusiven regionalen Entwicklung finanziert und ist für die Stadt Hemau – abgesehen vom Unterhalt des Gebäudes – mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden. Wenn der Hemauer Stadtrat grünes Licht gibt, könnte die Testphase bereits in Kürze starten.







