
München/Neunburg vorm Wald – Einen Tag lang tauschten die Kunstschülerinnen und Kunstschüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10 ihre Zeichensäle gegen die großen Museen der bayerischen Landeshauptstadt. Begleitet von ihren Kunstlehrkräften Susanne Rodorigo, Katharina Stang und Diana Schmidberger erlebten die Jugendlichen ein spannungsreiches Programm, das den Bogen von der klassischen Moderne bis hin zur zukunftsweisenden digitalen Kunst spannte.
Natur aus dem Computer: Miguel Chevalier in der Hypo-Kunsthalle
Für die Klassen 7 bis 9 stand zunächst die Hypo-Kunsthalle auf dem Plan. Dort besuchten sie unter fachkundiger Führung die Schau „Digital by Nature“ von Miguel Chevalier. Es handelt sich dabei um die bislang größte Einzelausstellung des Künstlers in Europa. Die Schülerinnen und Schüler staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass Chevalier bereits seit den 1980er-Jahren den Computer als kreatives Medium nutzt. Heute setzt er modernste Technologien bis hin zur Künstlichen Intelligenz (KI) ein, um seine Visionen zu verwirklichen.
Rund 120 Werke aus allen Schaffensphasen – darunter Skulpturen, die mittels 3D-Druck und Robotik entstanden sind – beeindruckten die jungen Besucher. Besonders die interaktiven, generativen Raumerlebnisse hatten es den Klassen angetan: Durch ihre eigenen Bewegungen lösten die Schüler Veränderungen in den Algorithmen aus und ließen so fortlaufend neue Bilder entstehen. Ein interaktives Highlight war das Projekt „In Vitro Pixel Flowers“, bei dem die Jugendlichen mit virtuellen Blumen experimentieren konnten, die anschließend in einem digitalen Gewächshaus im Ausstellungsraum erblühten. Ergänzt durch naturhistorische Objekte
Auf den Spuren des „Blauen Reiters“ im Lenbachhaus
Währenddessen tauchte die 10. Klasse in die Kunstgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts ein. Im Lenbachhaus erkundeten sie die weltweit umfangreichste Sammlung zur Kunst des „Blauen Reiters“. Dass diese Schätze heute in München zu sehen sind, ist vor allem der Malerin Gabriele Münter zu verdanken, die dem Haus 1957 anlässlich ihres 80. Geburtstags über 1.000 Werke dieser bedeutenden Avantgarde-Gruppe schenkte.
Ausgerüstet mit einem Geheft und spezifischen Arbeitsaufträgen erkundeten die Zehntklässler die Galerie auf eigene Faust. Die eigenständige Analyse der Werke von Kandinsky, Marc und Münter ermöglichte eine intensive Auseinandersetzung mit der Farbsymbolik und den radikalen Neuerungen jener Zeit.
Ein krönender Abschluss
Nach einer kurzen Mittagspause, in der die Eindrücke der ersten Tageshälfte verdaut wurden, hatten auch die Schüler der 10. Klasse die Gelegenheit, die digitalen Ökosysteme von Miguel Chevalier zu erleben. Der Kontrast zwischen den klassischen Ölgemälden des Vormittags und den leuchtenden Pixel-Projektionen des Nachmittags verdeutlichte eindrucksvoll den kontinuierlichen Dialog zwischen Kunstgeschichte und technischem Fortschritt.
Müde, aber voller neuer Impulse und kreativer Ideen kehrten die Klassen am Abend zurück. „Es ist etwas ganz anderes, die Werke in dieser Größe und Strahlkraft vor sich zu sehen. Ich hatte mir die Bilder von Franz Marc viel kleiner vorgestellt“, resümierte eine Schülerin der 10. Klasse den gelungenen Exkursionstag. Die Exkursion hat gezeigt, dass Kunst – ob mit dem Pinsel oder dem Algorithmus erschaffen – vor allem eines ist: eine Einladung zum Beobachten, Mitmachen und Staunen.








