Samstag, 24. Januar 2026

Wackersdorfer Knappen feiern ihre Schutzpatronin

Bergingenieur Jürgen Müller wurde zum Ehrenvorstand ernannt

Bergingenieur Jürgen Müller wurde zum Ehrenvorstand ernannt. Foto: Hans Peter Weiß

Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, stand im Mittelpunkt der Barbarafeier, die ein zentraler Veranstaltungstermin des hiesigen Knappenvereins ist. Pfarrvikar Pater Robin zelebrierte in der Pfarrkirche St. Stephanus den Festgottesdienst, bevor man sich im Gasthaus Besenhardt versammelte. Knappenvereinvorsitzender Franz Huber erläuterte eingangs den alten Bergmannsgruß „Glück Auf“, der zum Symbol der bergmännischen Tugenden Mut, Vertrauen, Kameradschaft und Gottesfurcht wurde. „Die Werte Tradition, Kameradschaft und Verlässlichkeit tragen den Knappenverein Wackersdorf und machen ihn zu einer lebendigen Gemeinschaft“, sagte Huber. Ein Willkommensgruß galt den Bürgermeistern Thomas Falter, Thomas Neidl, Günther Pronath (alle Wackersdorf), Harald Bemmerl (Steinberg am See), Albert Krieger (Bodenwöhr) und Hans Prechtl (Stulln). Neben MdL Martin Scharf waren auch verschiedene Vereinsabordnungen sowie Vertreter der Bergknappenvereine Stulln-Schwarzenfeld und Marienschacht Wölsendorf gekommen.

Bergknappenvereine erfüllen eine ebenso schöne wie wichtige Aufgabe: „sie halten das Andenken an den Bergbau lebendig und geben so die bergmännischen Traditionen an die jüngere Generation weiter“, sagte Festredner Prechtl. Foto: Hans-Peter Weiß

Nach dem Totengedenken eröffnete Bürgermeister Thomas Falter in seinem Grußwort die Barbarafeier mit einer Erinnerung an die Traditionen der Region, die tief im Bergbau verwurzelt sind. Er betonte, wie sehr der Bergbau, insbesondere die Braunkohle und die BBI, Wackersdorf und Steinberg am See geprägt haben. Projekte wie der Weihnachtsmarkt, die geplante Tagespflege „Glück Auf“ und das neue Industriegebiet in der Ottostraße seien sichtbare Ergebnisse dieser Geschichte. Falter hob hervor, dass die Werte der bergmännischen Kultur – wie gegenseitige Rücksichtnahme, Zusammenarbeit und Weitblick – auch heute noch eine zentrale Rolle in der Gemeinde spielen. Wackersdorf hat sich zu einem modernen und wirtschaftlich starken Zentrum entwickelt, ohne die Wurzeln zu vergessen. Er dankte dem Knappenverein für seine wertvolle Arbeit, die bergmännische Tradition lebendig zu halten, und betonte, dass Traditionen nur fortleben, wenn sie gepflegt werden.

Ein letztes „Glück Auf“ richtete Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl an die Versammlungsteilnehmer. Er beendet demnächst seine 36-jährige kommunalpolitische Arbeit und unterstrich, dass wir gerade in einer Zeit des Wandels unserer Wurzeln bewusst bleiben. Als stellvertretender Landrat verabschiedete sich auch Jakob Scharf, der an den „Glück-Auf-Landkreis“ Burglengenfeld erinnerte. Das Bekenntnis des Bergmannsgrußes ist weitergetragen worden und wird auch immer noch gelebt. Ergänzend betonte der Landtagsabgeordnete Martin Scharf: „Wackersdorf lebt Tradition, Kameradschaft und Gemeinschaft“.

Als Festredner trat anschließend Hans Prechtl, Bürgermeister von Stulln, ans Rednerpult. In seiner Festrede würdigte er die tief verwurzelte Bergbautradition des Landkreises Schwandorf. Jahrhundertelang prägten Erzabbau, Tongruben, Flussspatförderung und der Kohletagebau – besonders in Wackersdorf – die Region. Diese Geschichte spiegelt sich bis heute in Straßennamen, Gemeindewappen, Heimatmuseen und Mineralienausstellungen wider. Mehrere Gemeinden im Landkreis führen Bergbausymbole in ihren Wappen, was die historische Bedeutung des Bergbaus zusätzlich unterstreicht. Prechtl erinnerte daran, dass der Landkreis in seiner Blütezeit sogar ein eigenes Bergamt besaß. Der Braunkohleabbau in Wackersdorf sei zwar 1982 nach rund 80 Jahren beendet worden, doch die bergmännische Tradition lebe weiter – erkennbar auch an der regionaltypischen Begrüßung „Glück Auf“.

Der Bürgermeister hob hervor, dass der Landkreis in den vergangenen Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel erfolgreich bewältigt habe. Trotz des Verlusts zahlreicher Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Bergbau und Stahlindustrie sei der Wandel hin zu modernen Wirtschafts- und Dienstleistungsstrukturen gelungen. Wackersdorf habe sich von einer Bergbau- zu einer dynamischen Wohn- und Industriegemeinde entwickelt und trage mit vielen zukunftsorientierten Unternehmen maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Region bei. Im Mittelpunkt seiner Rede stand auch die Bedeutung der Barbarafeier. Der Knappenverein Wackersdorf pflege mit dieser Tradition nicht nur die Erinnerung an den Bergbau, sondern vermittle auch zentrale Werte des Bergmannsberufs: Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Kameradschaft. Diese Tugenden hätten Generationen geprägt und wirkten weit über das Berufsleben hinaus. Prechtl erinnerte zudem daran, dass die Heilige Barbara – Schutzpatronin der Bergleute – eine besondere Stellung einnehme, da sie als einzige Frau einen festen Platz im Bergbau habe. Ein weiterer Höhepunkt der Barbarafeier war die Auszeichnung des Kameraden Jürgen Müller, der von 2015 bis 2024 als Vorsitzender fungierte. Sein Nachfolger Franz Huber würdigte in der Laudatio Müller als einen Mann mit einem bergmännischen Herz. Als Bergingenieur führte Müller, in dessen Adern reinstes Bergmannsblut fließt, sein Beruf vom Eisenerzrevier Auerbach über das Kali-Salz-Revier bis hinüber ins Ruhrgebiet. Vorsitzender Huber ernannte daraufhin Jürgen Müller zum Ehrenvorstand des Knappenvereins. Rosemarie Roidl und Sepp Wild überreichten die Ehrenurkunde. In seinen Dankesworten betonte Jürgen Müller, dass er die Auszeichnung auch seinem Vater Fahrsteiger Peter Müller widmet. Zum Abschluss intonierte die Bergmannskapelle unter der Leitung von Andreas Königsberger das Steigerlied.

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